Bewerbung & Praktikum

Tag der offenen Tür im Betrieb 2027: Was er leistet und was nicht

Tag der offenen Tür im Ausbildungsbetrieb: Er zeigt den Betrieb von seiner besten Seite – darin liegt sein Wert und seine Grenze. Wie Sie ihn nutzen.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Ein Tag der offenen Tür zeigt den Betrieb von seiner besten Seite – und genau darin liegt sein Wert und seine Grenze. Er beantwortet die Frage „Wo will ich hin?" gut und die Frage „Halte ich das aus?" gar nicht. Wer beides auseinanderhält, nutzt ihn richtig: als Türöffner für ein Praktikum, nicht als Ersatz dafür. Dieser Ratgeber zeigt, wie man ihn vorbereitet, was am Tag zählt und wie es danach weitergeht.

Was er leistet – und was nicht

Beantwortet erBeantwortet er nicht
Wie sieht der Arbeitsplatz aus?Wie fühlen sich acht Stunden dort an?
Welche Abteilungen gibt es?Wie ist der Ton im Alltag?
Wer bildet aus, wie viele Plätze?Wie ist die Anleitung, wenn niemand zusieht?
Passt die Branche überhaupt?Passt der Beruf zu meinem Kind?

Die rechte Spalte klärt nur ein Praktikum. Das ist keine Schwäche des Formats, sondern seine Aufgabenteilung – und der Grund, warum der Tag vor allem dann etwas bringt, wenn am Ende ein Praktikumstermin steht.

Vorbereitung in fünfzehn Minuten

  1. Auf der Website nachsehen, was der Betrieb herstellt oder leistet und welche Berufe er ausbildet.
  2. Drei Fragen aufschreiben, die überall gleich bleiben:
    • Wie sieht ein normaler Dienstag in diesem Beruf aus?
    • Was ist der unangenehmste Teil der Arbeit?
    • Kann ich hier ein Praktikum machen, und an wen wende ich mich?
  3. Kontaktdaten mitnehmen. Die dritte Frage funktioniert nur, wenn Ihr Kind direkt einen Namen oder eine Adresse hinterlassen kann.

Die zweite Frage ist die ergiebigste, weil an so einem Tag geworben wird. Wer nach dem unangenehmen Teil fragt, bekommt die ehrlichere Antwort – und erkennt, wer den Beruf wirklich kennt.

Am Tag selbst

Ihre Rolle: hinfahren, danebenstehen, nicht reden. Betriebe merken sich, wer selbst gefragt hat – das ist oft der erste Kontakt zu einer späteren Bewerbung.

Nützlich sind stattdessen: Namen und Abteilungen notieren, nach zwei Stationen eine Pause vorschlagen, hinterher nichts bewerten.

Danach: der Schritt, der zählt

Nicht am selben Abend, sondern zwei Tage später drei Fragen: Was war überraschend? Wo ist Ihr Kind am längsten stehen geblieben? Was kommt auf keinen Fall infrage?

Und dann der eine Schritt mit Datum: die Anfrage nach einem Praktikum, per E-Mail, mit Bezug auf den Besuch. Ohne diesen Schritt bleibt der Tag ein Ausflug. Wie sich ein Praktikumsplatz finden lässt, steht in Schülerpraktikum finden.

Häufig gestellte Fragen: Tag der offenen Tür im Betrieb 2027: Was er leistet und was nicht

Soll ich als Elternteil meinem Kind zum Tag der offenen Tür begleiten?

Hinfahren ja, mitgehen ja, sprechen nein – anders als beim Vorstellungsgespräch ist Ihre Anwesenheit hier ausdrücklich erwünscht. Betriebe richten solche Tage oft gerade für Familien aus, weil Eltern bei der Berufswahl mitreden; viele bieten eigene Elterninformationen an.

Ihre Rolle bleibt trotzdem die zweite Reihe: Wer die Fragen stellt, nimmt seinem Kind den Eindruck, den es erzeugen soll – und Betriebe merken sich, wer selbst gefragt hat. Nützlich sind Sie daneben: Anfahrt, Namen und Abteilungen notieren, nach zwei Stationen eine Pause vorschlagen.

Halten Sie sich mit Bewertungen zurück, solange Sie im Gebäude sind. Die Auswertung gehört auf später, am besten zwei Tage nach dem Besuch, wenn sich der erste Eindruck gesetzt hat. Wie ein Besuch in ein Praktikum mündet, steht in Schülerpraktikum finden.

Mehr zur Frage: Soll ich als Elternteil meinem Kind zum Tag der offenen Tür begleiten?

Wie finde ich Betriebe mit Tag der offenen Tür in unserer Region?

Über drei Wege, und der zuverlässigste ist die Kammer:

  • Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern führen Übersichten über Aktionstage und Ausbildungsmessen in ihrem Bezirk. Sie haben nach § 76 BBiG ohnehin einen gesetzlichen Beratungsauftrag und kennen die ausbildenden Betriebe.
  • Die Schule. Die Ansprechperson für Berufsorientierung sammelt solche Termine meist und gibt sie weiter – fragen Sie ausdrücklich danach, denn genannt wird sie selten von selbst.
  • Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit, kostenlos und mit Kenntnis der regionalen Angebote.

Viele Betriebe kündigen ihre Tage außerdem nur auf der eigenen Website oder in der Lokalzeitung an. Ein Hinweis zum Zeitpunkt: Solche Tage liegen häufig im Frühjahr, also nach dem Bewerbungsschluss großer Betriebe – für Jugendliche im Bewerbungsjahr lohnt sich deshalb zusätzlich eine regionale Ausbildungsmesse im Herbst.

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Kann der Tag der offenen Tür ein Praktikum ersetzen?

Nein – und genau diese Verwechslung wird teuer. Ein Tag der offenen Tür zeigt den Betrieb vorbereitet und von seiner besten Seite; ein Praktikum zeigt den Alltag.

Die Frage, die über das Durchhalten entscheidet, beantwortet nur das Praktikum: Wie fühlen sich acht Stunden dort an, wie ist der Ton, wie die Anleitung, wenn kein Besuch da ist? Das zählt, denn 2024 wurde fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst (29,7 Prozent), und falsche Vorstellungen vom Beruf gehören zu den Gründen.

Nutzen Sie den Tag deshalb als das, was er gut kann: als Türöffner. Die wirksamste Frage am Stand lautet nicht „Was macht man hier?“, sondern „Kann ich hier ein Praktikum machen, und an wen wende ich mich?“. Ein Praktikumsplatz aus einem solchen Gespräch ist mehr wert als der ganze Besuch – wie es danach weitergeht, steht in Schülerpraktikum finden.

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Was tun, wenn der Tag der offenen Tür nicht gefallen hat?

Das ist ein brauchbares Ergebnis – fragen Sie nach, was genau nicht gepasst hat, denn darin steckt die eigentliche Information. Jugendliche wissen genauer, was sie nicht wollen, als was sie wollen; „zu laut“, „zu viel Büro“, „immer dasselbe“ sind verwertbare Aussagen, aus denen sich ein Profil ergibt.

Prüfen Sie dabei, ob die Abneigung dem Beruf galt oder dem Betrieb: Beides fühlt sich am selben Tag gleich an, führt aber zu verschiedenen Schlüssen – ein zweiter Betrieb im selben Beruf klärt das.

Halten Sie außerdem den Ausschnitt im Blick: Das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe des BIBB führt 325 duale Berufe, ein Betrieb zeigt davon vielleicht fünf. Wer an einem Tag nichts gefunden hat, hat also fast nichts ausgeschlossen.

Der nächste Schritt ist dann kein weiterer Besuch, sondern ein Praktikum oder ein Termin bei der Berufsberatung nach §§ 29 und 30 SGB III – mehr dazu in Berufsberatung der Arbeitsagentur.

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Ab welchem Alter lohnt sich ein Tag der offenen Tür?

Ab Klasse 8 – vorher fehlt der Bezugspunkt, nachher wird die Zeit knapp. In den meisten Ländern beginnt dort die schulische Berufsorientierung, und der Besuch dient dem, was er am besten kann: die Liste der bekannten Berufe zu erweitern. Für Jüngere ist er selten schädlich, aber meist folgenlos, weil noch kein Maßstab da ist.

In Klasse 9 und 10 verschiebt sich der Zweck vom Überblick zum Kontakt: Dann geht es darum, einen Praktikumsplatz oder eine spätere Bewerbung anzubahnen, und der Zeitpunkt zählt – Großbetriebe, Behörden und Banken besetzen ihre Ausbildungsplätze für den August bereits im Herbst des Vorjahres. Am Gymnasium verschiebt sich alles um zwei bis drei Jahre.

Unabhängig vom Alter gilt: Ohne drei vorbereitete Fragen bleibt es ein Rundgang. Die Termine kennen die Kammern und die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit. Was wann ansteht, zeigt Zeitplan für die Berufsorientierung.

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Übersicht zum Thema: Bewerbung für die Ausbildung 2027: Wie Eltern helfen – und wo die Grenze liegt