Gap Year & Alternativen

Au-pair nach der Schule 2027: Drei Monate, sechs oder ein Jahr?

Au-pair nach der Schule: Muss es ein ganzes Jahr sein? In Australien geht es ab drei Monaten, in den USA sind zwölf Pflicht – mit Folgen fürs Kindergeld.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Au-pair lässt sich fast überall auf drei bis sechs Monate verkürzen – nur nicht in den USA, wo das J-1-Programm zwölf Monate verlangt. In Australien ist der Kurzaufenthalt sogar die Regel: Das Working-Holiday-Visum erlaubt höchstens sechs Monate bei derselben Familie, drei Monate sind ein üblicher Zuschnitt. Für Familien ist das die wichtigere Frage als das Zielland, denn sie entscheidet über Kindergeld, Kosten und darüber, ob nach dem Jahr noch Zeit für den Ausbildungsstart bleibt. Dieser Ratgeber zeigt, welche Dauer wo möglich ist, was dabei mit dem Kindergeld passiert und woran Sie erkennen, ob Au-pair für Ihr Kind der richtige Zwischenschritt ist.

Wie lange geht Au-pair wo?

LandMindestdauerÜbliche DauerBesonderheit
Australienkeine feste Grenze3–6 MonateWorking-Holiday-Visum, höchstens 6 Monate je Familie
Neuseelandkeine feste Grenze3–6 Monatewie Australien über das Working-Holiday-Visum
Frankreich3 Monate6–12 MonateSommer-Au-pair von 2–3 Monaten weit verbreitet
Spanien, Italien2–3 Monate6–12 Monatekurze Sommerprogramme üblich
Skandinavien6 Monate12 Monatekürzere Aufenthalte selten vermittelt
USA12 Monate12 Monatekein Kurzaufenthalt möglich, J-1-Visum bindet an ein Jahr

Australien ist der Sonderfall in beide Richtungen. Es gibt kein Au-pair-Visum; Ihr Kind reist mit dem Working-Holiday-Visum ein und arbeitet als Au-pair wie in jedem anderen Job. Daraus folgt die Sechs-Monats-Grenze je Arbeitgeber – bei derselben Gastfamilie ist nach einem halben Jahr Schluss. Für deutsche Staatsangehörige gilt dort seit dem 1. Juli 2026 eine Altersgrenze von 18 bis einschließlich 35 Jahren; das Visum kostet 840 AUD und gilt zwölf Monate.

Praktisch heißt das: Drei Monate Au-pair in Australien, dann drei Monate Reisen oder Farmarbeit – das ist der übliche Zuschnitt und der Grund, warum die Kombination so oft gesucht wird.

Was der Kurzaufenthalt beim Kindergeld kostet

Hier liegt der Haken, den die meisten Familien zu spät entdecken. Das Kindergeld von 259 Euro im Monat (§ 66 EStG) läuft während eines Au-pair-Aufenthalts nur weiter, wenn der Aufenthalt als Berufsausbildung gilt. Nach § 32 Abs. 4 Nr. 2a des Einkommensteuergesetzes und der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs setzt das systematischen Sprachunterricht von mindestens zehn Wochenstunden voraus – über die gesamte Dauer.

Bei einem kurzen Aufenthalt ist diese Bedingung schwerer zu erfüllen, weil sich ein Sprachkurs mit zehn Wochenstunden für drei Monate seltener findet und teurer wird. Zwei Auswege gibt es:

  • Der Aufenthalt fällt in eine Übergangszeit. Zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn zahlt die Familienkasse bis zu vier Monate weiter, ohne dass eine Ausbildung laufen muss. Wer im Juli die Schule beendet, im August für drei Monate nach Australien geht und im November eine Ausbildung beginnt, bleibt in dieser Frist.
  • Ihr Kind meldet sich als ausbildungsplatzsuchend. Dann läuft das Kindergeld bis 25 weiter, solange die Suche dokumentiert ist. Das funktioniert aber nur, wenn Ihr Kind tatsächlich erreichbar bleibt und Angebote annehmen kann – ein Jahr in Australien schließt das faktisch aus.

Rechnen Sie deshalb vorher: Ein Jahr ohne Sprachkurs und ohne Übergangsregel kostet 3.108 Euro Kindergeld. Wie der Anspruch im Einzelnen läuft, steht in Kindergeld während der Ausbildung.

Was drei Monate kosten und was sie bringen

PostenDrei MonateZwölf Monate
Vermittlungsgebühr150–500 Euro300–900 Euro
Flug400–1.200 Euro400–1.200 Euro
Visum0 in der EU, 840 AUD Australienwie nebenan
Auslandskrankenversicherung90–180 Euro300–600 Euro
Summe vor Abreise700–2.100 Euro1.000–3.000 Euro

Vor Ort trägt sich der Aufenthalt: Die Gastfamilie stellt Kost, Logis und ein eigenes Zimmer, das Taschengeld deckt Freizeit und Handy. Anders als beim Work and Travel entsteht also kein laufender Zuschussbedarf.

Der Unterschied zwischen drei und zwölf Monaten liegt weniger im Geld als im Ertrag. Drei Monate reichen für einen Sprachsprung auf Alltagsniveau und die Erfahrung, in einem fremden Haushalt zu funktionieren. Für ein belastbares B2-Niveau, eine echte Beziehung zur Gastfamilie und den Lebenslauf-Effekt braucht es sechs bis zwölf.

Ist Au-pair der richtige Zwischenschritt?

Au-pair passt, wenn Ihr Kind drei Dinge mitbringt: Es mag Kinder wirklich, es kommt mit fremden Regeln in einem fremden Haushalt zurecht, und es braucht Struktur statt Freiheit. Genau darin unterscheidet es sich vom Work and Travel: Au-pair ist ein Alltag mit festen Aufgaben und einer Familie im Rücken, Work and Travel ist Selbstorganisation.

Es passt nicht, wenn das Ziel vor allem Reisen ist. Wer die Welt sehen will, ist mit Work and Travel nach dem Abi besser bedient. Und es passt nicht als Ausweichmanöver: Ein Kind, das nach der Schule nicht weiß, wohin, findet es im Ausland selten heraus – dann hilft ein Termin bei der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit (§§ 29, 30 SGB III) mehr als ein Flugticket.

Ein Punkt für die Elternseite: Ein Freiwilligendienst nach dem Jugendfreiwilligendienstegesetz sichert Struktur, Taschengeld und den Kindergeldanspruch ohne Sprachkurs-Bedingung. Wenn beides infrage kommt, ist das der einfachere Weg. Die Unterschiede stehen in FSJ, FÖJ und BFD.

Zeitplan für einen Kurzaufenthalt

Drei Monate lassen sich kürzer planen als ein Jahr, aber nicht spontan:

  • Vier Monate vorher: Land und Dauer festlegen, Agentur auswählen, erweitertes Führungszeugnis beantragen.
  • Drei Monate vorher: Gastfamilien-Interviews per Video, Visum beantragen. Für Australien dauert das meist nur Tage.
  • Sechs Wochen vorher: Auslandskrankenversicherung abschließen, Flug buchen, Nachweise für die Familienkasse klären.
  • Zwei Wochen vorher: Kopien aller Dokumente bei Ihnen hinterlegen, feste Kontaktzeiten vereinbaren, Notfallbudget für den Rückflug bereitlegen.

Die verbindlichen Einreise- und Visabestimmungen stehen in den Länderinformationen des Auswärtigen Amts; tragen Sie Ihr Kind vor der Abreise in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND ein. Welche Voraussetzungen Ihr Kind insgesamt erfüllen muss, steht in Au-pair: Voraussetzungen und Altersgrenzen.

Häufig gestellte Fragen: Au-pair nach der Schule 2027: Drei Monate, sechs oder ein Jahr?

Ab welchem Alter kann mein Kind Au Pair werden?

Ab 18 – und nach oben unterscheidet es sich stark. Das Mindestalter ist überall gesetzt, weil Ihr Kind allein in einem fremden Haushalt Verantwortung für Kinder übernimmt; einzelne europäische Agenturen vermitteln ab 17 mit Einverständniserklärung der Eltern, das ist aber die Ausnahme.

  • USA: bis 26 bei Programmstart. Es zählt das Alter bei der Einreise, nicht bei der Bewerbung – wer mit 26 einreist, darf das volle Jahr absolvieren, auch wenn er zwischendurch 27 wird.
  • Europa: meist bis 30.
  • Australien: Die Grenze hängt am Working-Holiday-Visum, für deutsche Staatsangehörige seit dem 1. Juli 2026 bei 35 Jahren.

Die verbindlichen Bestimmungen stehen in den Länderinformationen des Auswärtigen Amts. Welche weiteren Voraussetzungen gelten, steht in Au-pair-Jahr: Voraussetzungen.

Mehr zur Frage: Ab welchem Alter kann mein Kind Au Pair werden?

Wie sicher ist Au Pair im Ausland?

Sicherer als die meisten anderen Auslandsaufenthalte, weil Ihr Kind nicht allein wohnt, sondern in einer Familie – die Risiken liegen woanders, nämlich in überzogenen Arbeitszeiten und fehlender Abgrenzung. Klären Sie deshalb vor der Zusage schriftlich:

  • Wie viele Betreuungsstunden pro Woche?
  • Welche Aufgaben gehören dazu, welche nicht?
  • Wie sieht der freie Tag aus?
  • Gibt es ein eigenes Zimmer mit abschließbarer Tür?

Lassen Sie sich den Kontakt zum vorherigen Au-pair geben; eine Familie, die das verweigert, ist ein Warnsignal.

Nötig ist außerdem eine Auslandskrankenversicherung über die gesamte Dauer: Außerhalb der EU ruht der Anspruch gegen die gesetzliche Kasse (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 SGB V), und innerhalb der EU deckt die Europäische Krankenversicherungskarte keinen Rücktransport. Tragen Sie Ihr Kind vor der Abreise zudem in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amts ein. Wie Sie die Gastfamilie prüfen, steht in Au-pair-Jahr: Voraussetzungen.

Mehr zur Frage: Wie sicher ist Au Pair im Ausland?

Was kostet Au Pair für die Familie?

Vor der Abreise 700 bis 2.100 Euro für drei Monate und 1.000 bis 3.000 Euro für ein Jahr – danach entstehen keine laufenden Kosten, weil die Gastfamilie Kost und Logis stellt. Die Posten:

  • Vermittlungsgebühr: 150 bis 900 Euro je nach Dauer und Land,
  • Flug: 400 bis 1.200 Euro,
  • Auslandskrankenversicherung: 90 Euro für drei Monate oder 300 bis 600 Euro für ein Jahr,
  • Visum: in Australien das Working-Holiday-Visum mit 840 AUD, innerhalb der EU keine Gebühr,
  • Führungszeugnis und Unterlagen.

Die größere Position ist oft unsichtbar: Ohne systematischen Sprachunterricht von mindestens zehn Wochenstunden entfällt das Kindergeld nach § 32 Abs. 4 Nr. 2a EStG – bei einem Jahr sind das 3.108 Euro. Die ausführliche Kostenplanung steht in Au-pair-Jahr: Voraussetzungen.

Mehr zur Frage: Was kostet Au Pair für die Familie?

Wie finde ich eine seriöse Au Pair Agentur?

An fünf Merkmalen:

  • persönliches Vorgespräch mit Ihrem Kind,
  • geprüfte Gastfamilien mit Referenzen,
  • eine namentlich benannte Ansprechperson im Zielland,
  • klare Kosten vor Vertragsschluss,
  • eine schriftliche Zusage zum Familienwechsel.

Die letzte ist die wichtigste: Passt es nicht, muss die Agentur neu vermitteln, statt Ihr Kind heimzuschicken. Dagegen sprechen Vermittlung ohne Gespräch, Vorkasse über 500 Euro, fehlende Erreichbarkeit vor Ort und Druck zur schnellen Unterschrift.

Für die USA gibt es ein eindeutiges Kriterium: Ein Au-pair-Aufenthalt ist nur über Organisationen möglich, die das US-Außenministerium für das J-1-Programm zugelassen hat. In Australien und Europa ist die eigenständige Suche dagegen zulässig, verlagert aber die Prüfung der Familie vollständig auf Sie. Worauf Sie im Gespräch mit der Familie achten, steht in Au-pair-Jahr: Voraussetzungen.

Mehr zur Frage: Wie finde ich eine seriöse Au Pair Agentur?

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