Wege nach der Schule

Was tun nach dem Abi 2027: Die acht Wege im Überblick

Was nach dem Abi zu tun ist, hängt am Kalender: Die meisten Fristen liegen vor dem Zeugnis. Acht Wege mit Dauer, Kosten und Entscheidungstermin.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Was nach dem Abi zu tun ist, hängt weniger an der Neigung als am Kalender – die meisten Fristen liegen vor dem Abschlusszeugnis. Duale Studienplätze werden rund zwölf Monate im Voraus vergeben, Großbetriebe besetzen den August im Herbst davor, Hochschulen schließen für das Wintersemester meist Mitte Juli. Wer erst mit dem Zeugnis in der Hand anfängt zu suchen, verliert nicht den Weg, aber ein Jahr. Dieser Ratgeber sortiert die acht Möglichkeiten nach dem, was sie kosten und wann sie entschieden sein müssen.

Die acht Wege

WegDauerEntscheidung fällig
Studium an Universität oder Hochschule6–10 SemesterMitte Juli fürs Wintersemester
Duales Studium6–8 Semesterrund 12 Monate vorher
Duale Ausbildung2–3,5 JahreGroßbetriebe im Herbst davor
Schulische Ausbildung2–3 Jahreje nach Schule, oft Frühjahr
Freiwilligendienst (FSJ, FÖJ, BFD)6–18 Monate3–6 Monate vorher
Work and Travel oder Au-pair3–12 MonateVisum 2–3 Monate vorher
Beamtenlaufbahn2–3 JahreEinstellungstests oft ein Jahr vorher
Direkt arbeitenoffenjederzeit

Die zweite Zeile ist die, die am häufigsten überrascht. Alles andere lässt sich mit einem Jahr Verzögerung nachholen.

Was die Wege kostet – und was weiterläuft

Das Kindergeld von derzeit 259 Euro läuft nach § 32 EStG bis zum 25. Geburtstag weiter, solange Ihr Kind eine Ausbildung macht, auf einen Platz wartet oder einen anerkannten Freiwilligendienst leistet. Zwischen zwei Abschnitten sind höchstens vier Monate überbrückbar. Nach dem Regierungsentwurf zum Einkommensteuerreformgesetz 2027 sollen daraus ab Januar 267 Euro werden – beschlossen ist das noch nicht.

Eine Ausbildung bringt eigenes Geld. Für Verträge mit Beginn 2026 liegt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 Abs. 2 BBiG bei 724 Euro im ersten Jahr; den Satz für 2027 gibt das Bundesbildungsministerium bis zum 1. November 2026 bekannt. Tarifgebundene Betriebe zahlen deutlich mehr.

Ein Studium kostet zunächst. Wo BAföG nicht greift, bleiben Nebenjob und Unterhalt. Der Mindestlohn liegt bei 13,90 Euro je Stunde, ab Januar 2027 bei 14,60 Euro; ein Minijob ist bis 603 Euro im Monat abgabenfrei, ab Januar 2027 bis 633 Euro.

Details in Wege nach der Schule, Ausbildung oder Studium und Kindergeld während der Ausbildung.

Wenn noch nichts feststeht

Zwei Wochen Praktikum klären mehr als jede Recherche, und zwei Praktika in unterschiedlichen Bereichen mehr als zwei im selben – erst der Vergleich trennt den Beruf vom Betrieb. Parallel lohnt ein Termin bei der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit: Sie ist nach § 296a SGB III kostenlos, kennt die Lehrstellenlage vor Ort und berät auch zu Fördermitteln.

Wenn sich seit Wochen gar nichts bewegt, hilft Orientierungslos nach dem Abi bei der Unterscheidung zwischen Suchen und Steckenbleiben.

Häufig gestellte Fragen: Was tun nach dem Abi 2027: Die acht Wege im Überblick

Mein Kind weiß nicht, was es will – sollen wir Druck aufbauen?

Nein – Druck erzeugt eine schnelle Entscheidung, und schnelle Entscheidungen halten oft nicht. 2024 wurde fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst, und falsche Vorstellungen vom Beruf gehören zu den Gründen – also genau die Lücke, die eine übereilte Wahl hinterlässt.

Was stattdessen wirkt, sind Anlässe statt Gespräche:

  • ein Praktikum, das jemand aus dem Bekanntenkreis ermöglicht,
  • ein Termin bei der Berufsberatung,
  • eine Frist, die gemeinsam im Kalender steht.

Setzen Sie außerdem ein Enddatum statt einer Bedingung – nicht „bis du weißt, was du willst“, sondern ein konkreter Monat, in dem etwas beginnt.

Und trennen Sie die beiden Fragen, die oft vermischt werden: Was will ich werden, und was mache ich im nächsten halben Jahr? Die zweite lässt sich beantworten, auch wenn die erste offen bleibt. Mehr dazu in Orientierungslos nach dem Abi.

Mehr zur Frage: Mein Kind weiß nicht, was es will – sollen wir Druck aufbauen?

Sollte mein Kind ein Gap Year machen?

Wenn es ein Enddatum hat, ja – daran entscheidet es sich, nicht an der Form. Ein Freiwilligendienst, ein Au-pair-Vertrag oder ein Work-and-Travel-Visum bringen den Schlusspunkt mit; eine Reise ohne Programm nicht, und genau daraus entsteht der Eindruck verlorener Zeit.

Zwei Dinge sollten Sie vorher klären:

  • Das Geld. Kindergeld läuft nach § 32 EStG bei anerkannten Freiwilligendiensten weiter, bei einer Reise ohne Programm nur für höchstens vier Monate Übergangszeit.
  • Die Fristen. Sie laufen während des Jahres weiter – wer ein duales Studium anstrebt, bewirbt sich im Gap Year, nicht danach.

Dagegen spricht das Jahr in drei Fällen: wenn ein Platz bereits zugesagt ist, wenn es eine Entscheidung ersetzen soll, die eigentlich zwei Praktika klären würden, und wenn ohnehin schon eine Blockade besteht. Mehr dazu in Gap Year – sinnvoll oder Zeitverschwendung.

Mehr zur Frage: Sollte mein Kind ein Gap Year machen?

Ist eine Ausbildung mit Abi nicht eine Verschwendung?

Nein – das Abitur geht nicht verloren, es verkürzt die Ausbildung und öffnet danach dieselben Türen. Viele Ausbildungen lassen sich mit Abitur auf zwei bis zweieinhalb Jahre verkürzen, und Ihr Kind verdient dabei ab dem ersten Tag eigenes Geld, statt Studiengebühren und Miete zu bezahlen.

Der Weg ins Studium bleibt offen: mit Abitur ohnehin, und nach einer abgeschlossenen Ausbildung kommen die Wege der Aufstiegsfortbildung hinzu.

Der Vergleich, der wirklich zählt, ist nicht Ausbildung gegen Studium, sondern Abschluss gegen Abbruch – und die Abbruchquoten im Bachelorstudium liegen laut Deutschem Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung seit Jahren bei einem Viertel bis einem Drittel. Wer unsicher ist, hat mit einer Ausbildung die günstigere Ausgangslage.

Eine Zwischenform gibt es auch: das duale Studium, das beides verbindet. Wie Sie reagieren, wenn Ihr Kind diesen Weg wählt, steht in Kind will Ausbildung statt Studium.

Mehr zur Frage: Ist eine Ausbildung mit Abi nicht eine Verschwendung?

Werden duale Studien mit Abi anerkannt?

Ja – das duale Studium setzt in der Regel sogar das Abitur oder die Fachhochschulreife voraus. Zwei Formate sind zu unterscheiden, und der Unterschied entscheidet über Vergütung und Absicherung.

Das ausbildungsintegrierende duale Studium führt zu zwei Abschlüssen: einem Bachelor und einem anerkannten Ausbildungsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz.

Das praxisintegrierende Modell führt nur zum Bachelor, die Praxisphasen laufen über einen Vertrag mit dem Unternehmen. Beide Bachelor sind vollwertige Hochschulabschlüsse.

Der kritische Punkt ist der Zeitplan: Die Plätze werden rund zwölf Monate vor Studienbeginn vergeben, teils noch früher – wer im Herbst 2027 anfangen will, bewirbt sich im Herbst 2026, also lange vor dem Abschlusszeugnis. Was sonst dafür und dagegen spricht, steht in Duales Studium: Vorteile und Nachteile.

Mehr zur Frage: Werden duale Studien mit Abi anerkannt?

Wie finanziere ich ein Studium ohne BAföG?

Über drei Säulen, und die erste ist ein Rechtsanspruch, kein Entgegenkommen.

  • Unterhalt: Nach § 1610 BGB schulden Eltern Unterhalt für eine angemessene Erstausbildung – dazu zählt auch ein Studium, das auf die Schulbildung aufbaut. Die Höhe orientiert sich an der Düsseldorfer Tabelle, die für Studierende mit eigener Wohnung einen Bedarfssatz einschließlich Miete vorsieht.
  • Eigenes Einkommen: Ein Minijob bleibt bis 603 Euro im Monat abgabenfrei, ab Januar 2027 bis 633 Euro; der Mindestlohn liegt bei 13,90 Euro je Stunde, ab Januar 2027 bei 14,60 Euro.
  • Stipendien: Sie werden häufiger vergeben, als Familien annehmen – viele Begabtenförderungswerke bewerten neben Noten auch Engagement und Lebensweg.

Dazu kommt das Kindergeld von derzeit 259 Euro, das während der Erstausbildung ohne Einkommensgrenze bis zum 25. Geburtstag weiterläuft. Was ein Studium im Vergleich zur Ausbildung kostet, zeigt Ausbildung oder Studium.

Mehr zur Frage: Wie finanziere ich ein Studium ohne BAföG?

Kann mein Kind direkt arbeiten ohne Ausbildung?

Ja, rechtlich ohne Weiteres – aber es ist der Weg mit der schlechtesten Entwicklung. Ohne Berufsabschluss beginnt der Einstieg meist beim Mindestlohn von 13,90 Euro je Stunde, ab Januar 2027 bei 14,60 Euro, und die Aufstiegsmöglichkeiten sind begrenzt, weil tarifliche Eingruppierungen an Abschlüsse anknüpfen.

Laut Berufsbildungsbericht 2026 waren 2024 18,8 Prozent der 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss – 2,76 Millionen junge Erwachsene. Diese Gruppe trägt das höchste Risiko, bei Konjunktureinbrüchen zuerst betroffen zu sein.

Als Zwischenlösung ist Arbeiten dagegen sinnvoll: ein halbes Jahr jobben, Geld verdienen und dabei zwei Praktika machen, ist ein brauchbarer Plan.

Wer den Abschluss später nachholen will, findet Wege – die Einstiegsqualifizierung nach § 54a SGB III etwa führt über vier bis zwölf Monate im Betrieb in eine Ausbildung, mit Anrechnung. Welche Ausbildungen gut zahlen, zeigt Gut bezahlte Ausbildungsberufe.

Mehr zur Frage: Kann mein Kind direkt arbeiten ohne Ausbildung?

Fällt das Kindergeld weg, wenn mein Kind nicht gleich anfängt?

Nicht sofort – aber nach vier Monaten, wenn nichts nachgewiesen wird. § 32 EStG erlaubt eine Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten. Wer im Juni Abitur macht und im Oktober anfängt, bleibt darin; wer erst im Folgejahr beginnt, fällt heraus.

Es gibt zwei Auswege, und beide brauchen einen Nachweis bei der Familienkasse. Meldet sich Ihr Kind bei der Agentur für Arbeit als ausbildungsuchend, wird es als Kind berücksichtigt, das einen Ausbildungsplatz sucht – diese Meldung ist der wichtigste Handgriff der ganzen Phase und dauert zehn Minuten.

Der zweite Weg ist ein anerkannter Freiwilligendienst: FSJ, FÖJ und Bundesfreiwilligendienst werden durchgehend berücksichtigt.

Wichtig ist, die Familienkasse aktiv zu informieren; sie stellt die Zahlung sonst ein und fordert Überzahltes zurück. Alle Regeln: Kindergeld während der Ausbildung.

Mehr zur Frage: Fällt das Kindergeld weg, wenn mein Kind nicht gleich anfängt?

Wird ein Praktikum vor dem Studium angerechnet?

Häufig ja – in vielen ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen ist ein Vorpraktikum sogar Zulassungsvoraussetzung. Die Dauer liegt meist zwischen sechs und dreizehn Wochen, und laut Studien- oder Praktikumsordnung der jeweiligen Hochschule steht fest, welche Tätigkeiten anerkannt werden.

Drei Dinge entscheiden darüber, ob es am Ende zählt:

  • Der Betrieb muss zum Fachgebiet passen.
  • Die Tätigkeiten müssen den Vorgaben entsprechen – nicht jede Mitarbeit zählt.
  • Es braucht eine Bescheinigung mit Zeitraum und Tätigkeitsbeschreibung.

Lassen Sie Ihr Kind deshalb vor dem Praktikum in der Praktikumsordnung nachsehen und im Zweifel beim Praktikantenamt der Hochschule nachfragen – eine Mail dorthin erspart die Enttäuschung, dass acht Wochen Arbeit nicht anerkannt werden. Auch ohne formale Anrechnung ist ein Praktikum selten verloren: Es beantwortet die Frage, ob das Fach im Alltag hält, was der Studienplan verspricht.

Mehr zur Frage: Wird ein Praktikum vor dem Studium angerechnet?

Was ist, wenn mein Kind die Ausbildung/das Studium abbricht?

Dann ist das kein Scheitern, sondern kommt häufig vor – aber drei Dinge sind sofort zu erledigen. Laut BIBB-Datenreport wurde 2024 fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst, und etwa die Hälfte dieser Jugendlichen schließt danach erneut einen Ausbildungsvertrag ab, in einem anderen Betrieb oder einem anderen Beruf.

  1. Bei der Agentur für Arbeit melden. Nach einer kurzfristigen Kündigung muss das nach § 38 SGB III binnen drei Tagen geschehen – es sichert auch die Kindergeldzahlung ab.
  2. Die Ausbildungsberatung der Kammer anrufen. Sie hat nach § 76 BBiG einen gesetzlichen Beratungsauftrag und kennt freie Plätze, oft auch unterjährig.
  3. Nach Anrechnung fragen. Bereits absolvierte Ausbildungszeit kann bei einem Wechsel angerechnet werden, wenn Betrieb und Kammer zustimmen.

Bei einem Studienabbruch führt der direkteste Weg in eine verkürzte Ausbildung; viele Kammern haben dafür eigene Programme. Mehr dazu in Ausbildung abgebrochen – was tun.

Mehr zur Frage: Was ist, wenn mein Kind die Ausbildung/das Studium abbricht?

Welche Rolle spielen Noten bei der Wahl?

Eine kleinere, als Familien annehmen – und eine ganz andere, je nachdem, wohin es geht.

Für die duale Ausbildung gibt es keine gesetzliche Notenvoraussetzung; das Berufsbildungsgesetz kennt nicht einmal eine Schulabschlussvoraussetzung. Betriebe entscheiden selbst, und sie entscheiden zunehmend anders, weil Bewerber fehlen: Zum Ende des Beratungsjahres 2024/25 meldete die Bundesagentur für Arbeit rund 54.000 unbesetzte Ausbildungsstellen. Viele Ausbilder achten stärker auf Fehltage im Zeugnis und die Leistung im Praktikum.

Anders liegt es beim Studium: Dort entscheidet in zulassungsbeschränkten Fächern die Abiturnote unmittelbar über den Platz, und beim dualen Studium kommen Auswahlverfahren der Unternehmen hinzu.

Praktisch heißt das: Die Note begrenzt die Auswahl an Studienfächern, nicht die Auswahl an Berufen. Wer die Wunschnote verfehlt, hat über Ausbildung und Aufstiegsfortbildung einen zweiten Weg zu fast jedem Ziel – mehr dazu in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.

Mehr zur Frage: Welche Rolle spielen Noten bei der Wahl?

Übersicht zum Thema: Wege nach der Schule 2027: Fünf Optionen und ihre Fristen