Wege nach der Schule
Fachabitur nach der Ausbildung nachholen 2027: Dauer, Kosten und ob es sich lohnt
Nach einer abgeschlossenen Ausbildung dauert das Fachabitur nur noch ein Jahr. Welche fünf Wege es gibt, was sie kosten und für wen sich der Aufwand lohnt.
Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am
Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung dauert das Fachabitur ein Jahr: Die Ausbildung erfüllt den praktischen Teil der Fachhochschulreife, Ihr Kind steigt direkt in die Klasse 12 der Fachoberschule ein und hat nach zwei Halbjahren Vollzeit die Zugangsberechtigung für jede Fachhochschule. Berufsbegleitend – in Abendform oder per Fernlehrgang – sind es zwei bis drei Jahre. Die staatliche Fachoberschule ist kostenlos, Schüler-BAföG gibt es als Vollzuschuss (bei den Eltern wohnend derzeit 498 Euro im Monat). Bevor Sie planen, lohnt eine Gegenfrage: Mit einer mindestens zweijährigen Ausbildung, drei Jahren Berufspraxis im passenden Bereich und einer Eignungsprüfung oder einem erfolgreichen Probejahr darf Ihr Kind auch ohne Fachabitur fachgebunden studieren – das Fachabitur ist also nur dann nötig, wenn es schneller, breiter oder an eine bestimmte Hochschule gehen soll. Dieser Ratgeber sortiert Wege, Dauer, Kosten und Förderung.
Was ist der Unterschied zwischen Fachabitur, Fachhochschulreife und Abitur?
„Fachabitur" ist Umgangssprache und meint fast immer die Fachhochschulreife: Sie berechtigt zum Studium aller Fächer an Fachhochschulen (Hochschulen für angewandte Wissenschaften) und in einigen Ländern zu bestimmten Bachelorstudiengängen an Universitäten. Sie besteht aus einem schulischen Teil (Klasse 12 der Fachoberschule oder gleichwertig) und einem fachpraktischen Teil – einem gelenkten Praktikum oder eben einer abgeschlossenen Berufsausbildung.
Die fachgebundene Hochschulreife öffnet Universitäten für bestimmte Fachrichtungen, das Abitur (allgemeine Hochschulreife) alle Fächer an allen Hochschulen. Beide erreicht man nach der Ausbildung über die Klasse 13 der Fachoberschule oder die Berufsoberschule – mit einem zusätzlichen Jahr, für das Abitur meist mit zweiter Fremdsprache.
Braucht mein Kind das Fachabitur überhaupt – oder reicht die Ausbildung?
Das ist die Frage, die vor der Schulwahl steht. Seit dem KMK-Beschluss von 2009 gilt bundesweit: Wer eine Ausbildung abgeschlossen und danach mindestens drei Jahre im Beruf gearbeitet hat, darf ein fachlich passendes Studium beginnen – ohne Fachabitur. Mit Meister, Techniker oder Fachwirt sogar jedes Studium. Die Details je Bundesland stehen in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.
Das Fachabitur lohnt sich also vor allem, wenn Ihr Kind
- schneller studieren will als nach drei Jahren Berufspraxis,
- ein anderes Fach als das der Ausbildung studieren will (die Fachoberschule hat Fachrichtungen wie Technik, Wirtschaft, Sozialwesen, Gestaltung – die Wahl ist frei),
- eine Laufbahn anstrebt, die die Fachhochschulreife formal verlangt (gehobener Dienst bei Polizei, Verwaltung, Finanzamt, Zoll),
- oder das Abitur als Zwischenschritt für Medizin, Jura oder Lehramt braucht.
Wer dagegen im erlernten Beruf aufsteigen will, fährt mit Meister oder Techniker – gefördert über das Aufstiegs-BAföG – meist besser als mit einem weiteren Schuljahr. Den Vergleich der Wege zeigt Ausbildung oder Studium.
Wie kann mein Kind das Fachabitur nachholen – die fünf Wege
| Weg | Dauer | Zeitmodell | Kosten | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Fachoberschule Klasse 12 (in Bayern und NRW „12B" bzw. Berufsoberschule 12) | 1 Jahr | Vollzeit | kostenlos, Lernmittel | schnellster Weg; Schüler-BAföG möglich |
| Fachoberschule / Berufsoberschule in Teilzeit oder Abendform (Abendschule) | 2 Jahre | abends, teils samstags | kostenlos | neben dem Beruf; kein BAföG in Teilzeit |
| Fernlehrgang mit Nichtschülerprüfung | 2–3 Jahre | frei einteilbar | ca. 50–300 € im Monat | Prüfung vor der staatlichen Schulbehörde; setzt Ausbildung und mindestens ein Jahr Abstand zur Schule voraus |
| Virtuelle Berufsoberschule (staatlich, Bayern) | 2 Jahre | online, berufsbegleitend | kostenlos | staatliches Online-Angebot; Prüfung an einer Berufsoberschule |
| Zusatzunterricht während der Ausbildung (doppelqualifizierend) | parallel zur Ausbildung | Berufsschule plus Zusatzstunden | kostenlos | nur in einigen Ländern und Berufsschulen; muss zu Ausbildungsbeginn gewählt werden |
Für Eltern, deren Kind noch in der Ausbildung ist, ist der letzte Weg der interessanteste: An vielen Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen, Berufsschulen in Baden-Württemberg und Niedersachsen kann die Fachhochschulreife mit Zusatzunterricht in Deutsch, Englisch und Mathematik parallel zur Ausbildung erworben werden. Fragen Sie bei der Berufsschule nach – nach dem ersten Ausbildungsjahr ist der Einstieg meist nicht mehr möglich.
Welche Voraussetzungen braucht mein Kind?
Mittlerer Schulabschluss und abgeschlossene Berufsausbildung – das reicht für die Klasse 12 der Fachoberschule in allen Bundesländern. Die Ausbildung muss zur Fachrichtung passen? Nein: Die Fachrichtung (Technik, Wirtschaft und Verwaltung, Sozialwesen, Gestaltung, Gesundheit, Agrarwirtschaft) kann frei gewählt werden; die meisten Schulen empfehlen die zur Ausbildung passende, weil der Unterricht darauf aufbaut. Einige Länder verlangen einen Notendurchschnitt oder ein Aufnahmegespräch, wenn mehr Bewerber als Plätze da sind.
Kann man mit Hauptschulabschluss das Fachabi machen? Ja, aber nicht direkt – der mittlere Schulabschluss muss davor stehen. Ohne mittleren Schulabschluss gibt es zwei Wege: In den meisten Ländern gilt der mittlere Abschluss als erworben, wenn die Ausbildung mit Berufsschulabschluss, einem Notendurchschnitt von 3,0 oder besser und ausreichenden Englischkenntnissen abgeschlossen wurde – die Berufsschule bescheinigt das. Andernfalls holt Ihr Kind den mittleren Abschluss an der Abendrealschule oder Berufsfachschule nach, meist in einem Jahr.
Wie lange dauert das Fachabitur nach der Ausbildung?
Ein Jahr in Vollzeit, zwei Jahre berufsbegleitend, zwei bis drei Jahre im Fernlehrgang. Der Grund für das eine Jahr: Die Fachoberschule dauert regulär zwei Jahre (Klasse 11 mit Praktikum, Klasse 12 mit Unterricht). Die abgeschlossene Ausbildung ersetzt die Klasse 11 vollständig – Ihr Kind steigt direkt in die 12 ein. Das Schuljahr beginnt im August oder September, die Prüfungen liegen im Mai und Juni; Anmeldeschluss ist je nach Land zwischen Februar und Juni des Vorjahres.
Wer nach der Fachhochschulreife das Abitur will, hängt in Bayern und Nordrhein-Westfalen die Klasse 13 an (ein weiteres Jahr, für die allgemeine Hochschulreife mit zweiter Fremdsprache). In Ländern ohne Klasse 13 führt der Weg über die Berufsoberschule oder das Abendgymnasium.
Was kostet das Fachabitur – und welche Förderung gibt es?
Die staatliche Fachoberschule ist schulgeldfrei; es fallen Lernmittel, Fahrtkosten und gegebenenfalls Prüfungsgebühren an. Fernlehrgänge privater Anbieter kosten je nach Anbieter und Laufzeit etwa 50 bis 300 Euro im Monat, bei zwei bis drei Jahren also insgesamt rund 1.500 bis 7.000 Euro.
Schüler-BAföG gibt es für die Vollzeit-Fachoberschule als Vollzuschuss – es muss nicht zurückgezahlt werden. Für Fachoberschulklassen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen, beträgt der Bedarf nach dem Stand seit 1. August 2024 498 Euro im Monat bei den Eltern wohnend und 775 Euro bei eigener Wohnung, jeweils zuzüglich Zuschlag für Kranken- und Pflegeversicherung. Ihr Einkommen als Eltern wird angerechnet; elternunabhängig ist die Förderung nur am Abendgymnasium und Kolleg, ab 30 Jahren oder nach drei Jahren Erwerbstätigkeit im Anschluss an die Ausbildung (§ 11 Abs. 3 BAföG). Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 die 30. BAföG-Novelle beschlossen; die erste Erhöhung der Bedarfssätze ist für den 1. April 2027 vorgesehen – prüfen Sie den Stand zum Schulstart 2027.
Kindergeld läuft während der Fachoberschule weiter, weil sie als Ausbildung gilt – bis 25, und nach der ersten Ausbildung nur, wenn Ihr Kind daneben nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Details in Kindergeld während der Ausbildung. Für Teilzeit- und Fernlehrgänge neben dem Beruf gibt es kein Schüler-BAföG; in den meisten Ländern (nicht Bayern und Sachsen) stehen dafür fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr zu, und die Kosten sind als Werbungskosten absetzbar.
Ist das nachgeholte Fachabitur gleichwertig – und was kann man damit studieren?
Ja. Die Fachhochschulreife ist unabhängig vom Weg dieselbe Zugangsberechtigung; auf dem Zeugnis steht nicht, ob sie nach der Ausbildung erworben wurde. Sie öffnet alle Bachelorstudiengänge an Fachhochschulen – Ingenieurwesen, Informatik, Wirtschaft, Soziale Arbeit, Pflege, Gestaltung, Verwaltung – und in Hessen, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Bremen zusätzlich bestimmte Studiengänge an Universitäten. Die Kombination aus Ausbildung und Fachhochschulreife ist bei dualen Studiengängen und bei Arbeitgebern ausdrücklich gefragt: Wer als Industriekaufmann mit Fachabitur BWL studiert, bringt mit, was reinen Abiturienten fehlt. Was ein duales Studium leisten kann, zeigt Duales Studium: Vorteile und Nachteile.
Wie kann ich mein Kind beim Fachabitur unterstützen?
Vor der Entscheidung: Rechnen Sie die Alternativen durch – Studium ohne Abitur nach drei Jahren Praxis, Meister mit Aufstiegs-BAföG, Fachabitur in einem Jahr. Für ein Kind, das im Beruf zufrieden ist, kann das Fachabitur ein Umweg sein; für eines, das den Beruf wechseln will, der schnellste Weg.
Bei der Anmeldung: Fristen laufen früh – für den Start im August oft schon im Februar. Zeugnisse, Ausbildungsnachweis und der Nachweis des mittleren Abschlusses gehören zum Antrag; der BAföG-Antrag geht parallel ans Amt für Ausbildungsförderung des Landkreises.
Während des Jahres: Nach zwei bis drei Jahren Betrieb fällt der Wechsel zurück in den Schulalltag vielen schwer – vor allem Mathematik. Ein Vorkurs (viele Fachoberschulen bieten ihn im Sommer an) und ein fester Lernplatz zu Hause helfen mehr als Zuspruch. Und wenn Ihr Kind zu Hause wohnt: Ein Schuljahr ohne Gehalt ist ein Einschnitt, der vorher besprochen gehört – wer vorher 1.200 Euro verdient hat und nun 498 Euro BAföG bekommt, braucht einen Plan.
Wenn die Entscheidung insgesamt offen ist – Fachabitur, Weiterbildung oder direkt arbeiten –, hilft der Überblick Wege nach der Schule und der Austausch im Elternclub.
Häufig gestellte Fragen: Fachabitur nach der Ausbildung nachholen 2027: Dauer, Kosten und ob es sich lohnt
Wie lange dauert es, das Fachabitur nach der Ausbildung nachzuholen?
Ein Jahr in Vollzeit – die abgeschlossene Ausbildung ersetzt die Klasse 11 mit ihrem Praktikumsjahr. So sieht es die Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Fachoberschule vor, an der sich alle Länder orientieren. Je nach Form:
- Vollzeit an der Fachoberschule (Klasse 12): ein Jahr,
- Teilzeit oder Abendform: zwei Jahre,
- Fernlehrgang: zwei bis drei Jahre.
Wer anschließend das Abitur will, plant ein weiteres Jahr ein – Klasse 13 in Bayern und Nordrhein-Westfalen, sonst Berufsoberschule oder Abendgymnasium.
Das Schuljahr beginnt im August oder September; die Anmeldung läuft je nach Bundesland zwischen Februar und Juni. Wie es danach ins Studium geht, steht in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.
Kann mein Kind während des Fachabiturs BAföG bekommen?
Ja – an der Vollzeit-Fachoberschule als Schüler-BAföG, das vollständig als Zuschuss gezahlt wird. In Teilzeit oder im Fernlehrgang gibt es kein BAföG.
Für Fachoberschulklassen, die eine abgeschlossene Ausbildung voraussetzen, beträgt der Bedarf seit 1. August 2024 498 Euro im Monat bei den Eltern und 775 Euro bei eigener Wohnung, plus Zuschlag zur Kranken- und Pflegeversicherung. Eine Erhöhung ist mit der 30. BAföG-Novelle zum 1. April 2027 vorgesehen.
Ihr Einkommen wird grundsätzlich angerechnet. Elternunabhängig ist die Förderung am Abendgymnasium und Kolleg, ab 30 Jahren oder nach drei Jahren Erwerbstätigkeit im Anschluss an die Ausbildung. Was sonst an Unterstützung infrage kommt, steht in Ausbildungsgehalt reicht nicht.
Wird die Ausbildungszeit auf das Fachabitur angerechnet?
Ja – die abgeschlossene Berufsausbildung ersetzt den fachpraktischen Teil der Fachhochschulreife und damit die gesamte Klasse 11 der Fachoberschule. Das folgt der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Fachoberschule; die Einzelheiten regeln die Schulgesetze der Länder.
Ihr Kind steigt direkt in die Klasse 12 ein und braucht nur noch den schulischen Teil. Die Ausbildung muss nicht zur gewählten Fachrichtung passen, auch wenn die Schulen das empfehlen.
Auch der Weg zum mittleren Abschluss verkürzt sich: In den meisten Ländern gilt der Berufsschulabschluss mit Durchschnitt 3,0 und ausreichenden Englischkenntnissen als mittlere Reife. Wie es nach dem Fachabitur ins Studium geht, steht in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.
Ist das nachgeholte Fachabitur genauso viel wert wie ein reguläres?
Ja, rechtlich und praktisch. Die Fachhochschulreife ist unabhängig vom Weg dieselbe Hochschulzugangsberechtigung, und Hochschulen unterscheiden bei der Zulassung nicht danach. Der einzige Unterschied liegt beim Fernlehrgang mit Nichtschülerprüfung: Dort steht auf dem Zeugnis die Prüfung als Externer, was für Zulassungen aber keine Rolle spielt.
Bei Arbeitgebern und dualen Studiengängen ist die Kombination aus Ausbildung und Fachhochschulreife sogar ein Vorteil: Ihr Kind bringt Berufspraxis mit, die anderen Bewerbern fehlt.
Auch ohne Fachabitur wäre der Weg offen: Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 öffnet ein Meister- oder Technikerabschluss jedes Studium, eine mindestens zweijährige Ausbildung mit drei Jahren Berufspraxis im passenden Bereich ein fachgebundenes – dort kommt eine Eignungsprüfung oder ein erfolgreiches Probejahr hinzu. Einzelheiten: Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.
Kann mein Kind ohne mittleren Schulabschluss das Fachabitur nachholen?
Ja, aber der mittlere Abschluss muss zuerst da sein – und oft ist er es schon. In den meisten Ländern gilt die abgeschlossene Ausbildung als mittlerer Schulabschluss, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Berufsschulabschluss,
- Notendurchschnitt 3,0 oder besser,
- ausreichende Englischkenntnisse.
Grundlage ist jeweils das Schulgesetz des Landes; die Berufsschule stellt die Bescheinigung aus, fragen Sie dort nach.
Fehlt der Durchschnitt oder das Englisch, kann Ihr Kind den mittleren Abschluss an einer Abendrealschule oder einer einjährigen Berufsfachschule nachholen und dann in die Klasse 12 der Fachoberschule wechseln – insgesamt zwei Jahre statt einem. Welche Wege es mit Hauptschulabschluss gibt, zeigt Berufsorientierung an der Hauptschule.
Übersicht zum Thema: Wege nach der Schule 2027: Fünf Optionen und ihre Fristen