Wege nach der Schule

Work and Travel nach dem Abi 2027: Kosten, Visum, Versicherung und Kindergeld

Work and Travel kostet vor der Abreise 4.000 bis 6.000 Euro. Was davon Pflicht ist, was das Kindergeld kostet und wie sich das Jahr vor Ort selbst trägt.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Work and Travel nach dem Abitur kostet vor der Abreise realistisch 4.000 bis 6.000 Euro – Flug, Visum, Versicherung und das Startkapital, das die Zielländer nachweislich verlangen (Neuseeland 4.200 NZD, Australien 5.000 AUD) – und danach verdient Ihr Kind sein Geld selbst: Der australische Mindestlohn liegt seit 1. Juli 2026 bei 26,44 AUD pro Stunde. Das Working-Holiday-Visum gibt es für Deutsche zwischen 18 und 30 (Australien, Neuseeland, Japan) bzw. 18 und 35 (Kanada), für zwölf Monate. Zwei Dinge unterschätzen Eltern regelmäßig: Während Work and Travel gibt es kein Kindergeld – es ist keine Ausbildung –, und die Bewerbungsfristen für Studium oder Ausbildung im Jahr danach laufen, während Ihr Kind unterwegs ist. Dieser Ratgeber nennt die Zahlen, die 2026 gelten, vergleicht die Länder und zeigt, wie das Jahr zum Sprungbrett statt zur Lücke wird.

Welche Länder eignen sich für Work and Travel – und was gilt dort?

Deutschland hat mit rund einem Dutzend Staaten Working-Holiday-Abkommen. Für Abiturienten relevant sind vier:

LandAlterVisumgebühr (Stand 2026)DauerNachweis StartkapitalBesonderheit
Australien (Subclass 417)18–30840 AUD (seit 1.7.2026)12 Monate, Verlängerung um je ein Jahr nach 88 Tagen Farm- oder Regionalarbeit5.000 AUDMindestlohn 26,44 AUD/Std. seit 1.7.2026; Steuer für Working Holiday Maker ab dem ersten Dollar
Neuseeland18–30770 NZD12 Monate4.200 NZD plus RückflugKontingent für Deutsche unbegrenzt; Krankenversicherung Pflicht
Kanada (IEC Working Holiday)18–35ca. 285 CAD Gebühren12 Monate2.500 CADVergabe über Losverfahren („Pool") mit Länderkontingent – Bewerbung ab Herbst des Vorjahres
Japan18–30kostenlos12 MonateNachweis ausreichender MittelKontingent für Deutsche; Japanischkenntnisse faktisch nötig

Australien ist wegen der hohen Löhne, der Verlängerungsoption und der großen Community der Klassiker; Neuseeland ist kleiner und ruhiger, Kanada wegen des Losverfahrens weniger planbar. Innerhalb der EU braucht Ihr Kind kein Visum – Work and Travel in Irland, Skandinavien oder Spanien ist der günstige Einstieg ohne Bürokratie, aber ohne die Ferne, die meist der Reiz ist.

Wie viel kostet Work and Travel insgesamt?

Die Kosten vor der Abreise sind planbar, die Kosten vor Ort hängen davon ab, wie schnell Ihr Kind Arbeit findet. Eine realistische Rechnung für Australien:

PostenBetrag
Hin- und Rückflug1.400–2.000 €
Visum (840 AUD)ca. 500 €
Auslandskrankenversicherung 12 Monate480–1.400 € (je nach Anbieter und Alter; unter 27 oft unter 500 €)
Startkapital laut Visum (5.000 AUD)ca. 3.000 € – muss auf dem Konto sein, wird nicht ausgegeben
Ausrüstung, Auslandskonto, SIM, Führerscheinübersetzung300–500 €

Das Startkapital ist keine Ausgabe, sondern ein Puffer für die ersten sechs bis acht Wochen, bis der erste Lohn kommt. Wer in Städten in Gastronomie, Einzelhandel oder auf Baustellen arbeitet, verdient bei 30 bis 38 Wochenstunden zum Mindestlohn 800 bis 1.000 AUD pro Woche brutto; Farmarbeit wird nach Stunde oder Menge bezahlt und ist oft schlechter. Hostels kosten in Städten 40 bis 60 AUD pro Nacht, Zimmer in Wohngemeinschaften 250 bis 400 AUD pro Woche. Vor Ort trägt sich das Jahr bei den meisten; Geld übrig bleibt selten.

Organisationen, die Visum, Flug, erste Nächte und Jobvermittlung als Paket anbieten, kosten zusätzlich 500 bis 2.000 Euro. Nötig sind sie nicht – Visum und Steuernummer beantragt Ihr Kind selbst online –, aber für unsichere Jugendliche kann der Ansprechpartner vor Ort das Geld wert sein.

Welche Versicherungen und Visa braucht mein Kind?

Visum: Online beantragen, für Australien und Neuseeland direkt bei der Einwanderungsbehörde, für Kanada über das IEC-Profil mit Losverfahren. Australien und Neuseeland erteilen innerhalb von Tagen bis Wochen; das Visum muss innerhalb von zwölf Monaten nach Erteilung angetreten werden. Der Reisepass muss die gesamte Zeit gültig sein.

Auslandskrankenversicherung: Pflicht – die gesetzliche Krankenkasse zahlt außerhalb der EU nichts, und Neuseeland verlangt den Nachweis beim Visum. Nötig ist eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung über die gesamte Dauer (nicht die Reiseversicherung aus der Kreditkarte, die nach sechs bis acht Wochen endet), die Arbeit ausdrücklich einschließt, ohne Selbstbeteiligung bei Krankenhaus und mit Rücktransport. Kosten für Unter-27-Jährige: rund 35 bis 60 Euro im Monat. Prüfen Sie, dass auch Farmarbeit, Motorradfahren und Sport abgedeckt sind, wenn das zu den Plänen gehört.

Haftpflicht: Die deutsche Familienhaftpflicht gilt meist weltweit für bis zu ein Jahr – Dauer und Ausland bei Ihrer Versicherung bestätigen lassen. Unfallversicherung ist sinnvoll, weil im Ausland kein Schutz über die Berufsgenossenschaft besteht. Gepäckversicherung lohnt selten.

Deutsche Krankenversicherung: Ihr Kind bleibt während des Jahres in Ihrer Familienversicherung, solange es kein eigenes Einkommen über der Grenze in Deutschland hat und den Wohnsitz behält. Melden Sie die Abwesenheit der Krankenkasse; eine Anwartschaft ist bei Familienversicherung nicht nötig.

Gibt es während Work and Travel Kindergeld?

Nein. Work and Travel ist keine Berufsausbildung und kein anerkannter Freiwilligendienst; die Familienkasse zahlt nur, wenn ein Sprachkurs mit mindestens zehn Wochenstunden systematischem Unterricht Teil des Aufenthalts ist – was bei Work and Travel praktisch nie der Fall ist. Was bleibt, ist die Übergangszeit von vier Monaten zwischen Abitur und Ausbildungs- oder Studienbeginn (§ 32 Abs. 4 Nr. 2b EStG): Reist Ihr Kind im Juli ab und beginnt im Oktober des Folgejahres ein Studium, entfällt das Kindergeld für die Monate dazwischen, die über vier hinausgehen. Melden Sie der Familienkasse Abreise und Rückkehr; zu viel gezahltes Kindergeld wird zurückgefordert. Die Regeln im Detail: Kindergeld während der Ausbildung.

Beim Kinderfreibetrag in Ihrer Steuererklärung gilt dasselbe. Und der Wohnsitz in Deutschland sollte bestehen bleiben – Ummeldung ins Ausland kostet Familienversicherung und mögliche spätere Ansprüche.

Wann sollte man mit der Planung beginnen – und was ist mit Studium und Ausbildung danach?

Zwölf Monate vor Abreise für Kanada (Losverfahren ab Herbst), sechs Monate für Australien und Neuseeland. Wichtiger als das Visum ist die Planung des Jahres danach, weil die Fristen laufen, während Ihr Kind unterwegs ist:

  • Studium: Bewerbungsschluss für das Wintersemester ist meist der 15. Juli, für zulassungsfreie Fächer oft bis September. Bewerbungen und Immatrikulation lassen sich online vom Ausland erledigen – aber Zeugnisse müssen beglaubigt vorliegen. Alles vor der Abreise vorbereiten. Was das Jahr für Studienplatz und Wartesemester bedeutet, steht in Gap Year: sinnvoll oder Zeitverschwendung?.
  • Ausbildung: Große Betriebe besetzen ihre Plätze für den August schon im Herbst des Vorjahres. Ein Vorstellungsgespräch per Video aus Australien ist möglich, aber die Zeitverschiebung und schlechte Verbindungen machen es schwer. Sinnvoll: vor der Abreise bewerben, Vertrag mit Beginn nach der Rückkehr abschließen – viele Betriebe akzeptieren das. Ausbildungsbetriebe, die sich Eltern vorstellen, finden Sie unter Unternehmen entdecken.
  • Rückkehr: Vier bis sechs Wochen Puffer vor Studien- oder Ausbildungsbeginn einplanen – für Wohnung, Papiere, Ankommen.

Wenn die Frage nach dem Jahr danach ganz offen ist, ist das kein Grund, nicht zu fahren – aber ein Grund, vor der Abreise den Orientierungstest zu machen und mit der Berufsberatung zu sprechen. Was nach dem Abitur sonst in Frage kommt, vergleicht Was tun nach dem Abi?.

Ist Work and Travel sicher – und wie unterstütze ich mein Kind?

Australien, Neuseeland und Kanada gehören zu den sichersten Reiseländern. Die realen Risiken sind andere: Verkehrsunfälle (Linksverkehr, lange Strecken, müde Fahrer), Sonne und Hitze, Alkohol im Hostel, Ausbeutung auf Farmen (Bezahlung unter Mindestlohn, überteuerte Unterkunft) und Einsamkeit in den ersten Wochen. Was hilft:

  • Feste Kontaktzeiten statt ständiger Erreichbarkeit – einmal die Woche ein Anruf, dazu Standortfreigabe nur, wenn Ihr Kind sie will.
  • Notfallplan: Kopien von Pass, Visum, Versicherungspolice und Kreditkarte bei Ihnen; die Nummer der deutschen Botschaft; ein Notfallbudget für einen Rückflug auf einem Konto, auf das Sie zugreifen können.
  • Fair-Work-Regeln kennen: In Australien gilt der Mindestlohn auch für Backpacker; die Fair Work Ombudsman nimmt Beschwerden entgegen. Ein Job ohne Lohnabrechnung ist ein Warnsignal.
  • Loslassen: Work and Travel ist für Jugendliche der erste Alltag ohne Eltern – Wohnung suchen, Job finden, Konto, Steuernummer, Krankheit allein durchstehen. Genau das ist der Wert des Jahres. Wer aus Sorge alles vororganisiert, nimmt ihn weg.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind reif genug ist: Ein Test ist ein vierwöchiger Aufenthalt in einem EU-Land ohne Programm. Wer das schafft, schafft Australien. Und wenn das Jahr scheitert – Heimweh, Geld alle, Job weg –, ist eine vorzeitige Rückkehr nach drei Monaten kein Versagen, sondern eine Erfahrung, die im nächsten Bewerbungsgespräch mehr wert ist als ein weiteres Zeugnis. Andere Eltern, deren Kinder gerade unterwegs sind, finden Sie im Elternclub.

Häufig gestellte Fragen: Work and Travel nach dem Abi 2027: Kosten, Visum, Versicherung und Kindergeld

Was kostet Work and Travel?

Vor der Abreise 4.000 bis 6.000 Euro – vor Ort trägt sich das Jahr bei den meisten selbst. Die Posten:

  • Flug: 1.400 bis 2.000 Euro,
  • Visum: Australien 840 AUD, Neuseeland 770 NZD, Kanada ca. 285 CAD,
  • Auslandskrankenversicherung: 480 bis 1.400 Euro für zwölf Monate,
  • Startkapital, das die Länder verlangen: Australien 5.000 AUD, Neuseeland 4.200 NZD – ein Puffer für die ersten Wochen, keine Ausgabe.

Vor Ort wird gearbeitet: Der australische Mindestlohn, den die Fair Work Commission jährlich zum 1. Juli festsetzt, liegt seit Juli 2026 bei 26,44 AUD pro Stunde; ein Zimmer im Hostel kostet 40 bis 60 AUD pro Nacht. Organisationen mit Rundum-Paket kosten 500 bis 2.000 Euro zusätzlich und sind nicht nötig.

Das Kindergeld von 259 Euro läuft während Work and Travel übrigens nicht weiter – anders als bei einem anerkannten Freiwilligendienst. Die Alternativen vergleicht FSJ, FÖJ oder BFD.

Mehr zur Frage: Was kostet Work and Travel?

Ist Work and Travel sicher für mein Kind?

Ja – Australien, Neuseeland und Kanada zählen zu den sichersten Ländern der Welt; die tatsächlichen Risiken sind Verkehr, Sonne, Alkohol und Ausbeutung bei der Arbeit, nicht Kriminalität. Was schützt:

  • eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport,
  • feste wöchentliche Kontaktzeiten,
  • Kopien aller Dokumente bei Ihnen,
  • ein Notfallbudget für den Rückflug,
  • die Kenntnis der Arbeitsrechte vor Ort – der Mindestlohn gilt auch für Backpacker, Beschwerdestelle in Australien ist der Fair Work Ombudsman.

Tragen Sie Ihr Kind vor der Abreise in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amts ein; dort stehen auch die Reise- und Sicherheitshinweise für jedes Zielland.

Was nicht schützt: ständige Erreichbarkeit und Standortkontrolle – sie nehmen dem Jahr den Sinn. Wie Loslassen gelingt, steht in Loslassen bei der Berufswahl.

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Welche Versicherung braucht mein Kind?

Eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung über die gesamte Dauer, die Arbeit einschließt und den Rücktransport abdeckt. Sie ist Pflicht für das Visum in Neuseeland und faktisch Pflicht überall: Der Anspruch gegen die gesetzliche Krankenkasse ruht, solange sich Versicherte im Ausland aufhalten (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 SGB V). Außerhalb der EU und ohne Sozialversicherungsabkommen zahlt sie also nichts.

Für Unter-27-Jährige kostet das rund 35 bis 60 Euro im Monat, 480 bis 1.400 Euro für zwölf Monate je nach Anbieter.

Dazu gehören:

  • Familienhaftpflicht: prüfen, dass sie weltweit und für zwölf Monate gilt,
  • private Unfallversicherung, weil im Ausland kein Schutz über die Berufsgenossenschaft besteht,
  • keine Kreditkarten-Reiseversicherung als Ersatz – sie endet meist nach sechs bis acht Wochen.

Wie viel ein Au-pair-Jahr im Vergleich kostet und wie es dort mit der Versicherung aussieht, zeigt Au-pair nach der Schule.

Mehr zur Frage: Welche Versicherung braucht mein Kind?

Welche Länder eignen sich für Work and Travel?

Vier Länder bieten Deutschen ein Working-Holiday-Visum für zwölf Monate – sie unterscheiden sich in Alter, Kosten und Planbarkeit.

  • Australien: 18 bis einschließlich 35 Jahre (seit 1. Juli 2026), 840 AUD, verlängerbar. Höchste Löhne – Mindestlohn 26,44 AUD seit Juli 2026 – und die größte Community.
  • Neuseeland: 18 bis 30, 770 NZD, unbegrenztes Kontingent für Deutsche; kleiner und ruhiger.
  • Kanada: 18 bis 35, Losverfahren – deshalb schwer planbar.
  • Japan: 18 bis 30, kostenlos; Japanischkenntnisse sind faktisch nötig.

Innerhalb der EU geht Work and Travel ohne Visum – günstiger, näher, aber ohne die Ferne. Die verbindlichen Einreise- und Visabestimmungen stehen in den Länderinformationen des Auswärtigen Amts; sie ändern sich häufiger als jede Ratgeberseite, also kurz vor der Buchung prüfen.

Die Wahl sollte Ihr Kind treffen; Ihre Rolle ist die Prüfung von Visum, Versicherung und Budget. Andere Wege für das Jahr zeigt Gap Year – sinnvoll?

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Übersicht zum Thema: Wege nach der Schule 2027: Fünf Optionen und ihre Fristen