Ausbildungsberufe & Branchen
IT-Ausbildung oder Informatikstudium 2027: Der Unterschied liegt in der Mathematik
IT-Ausbildung oder Informatik-Studium? Die Wege trennen sich nicht beim Anspruch, sondern beim Gegenstand: Studium ist Mathematik, Ausbildung ist Praxis.
Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am
Die beiden Wege trennen sich nicht beim Anspruch, sondern beim Gegenstand: Das Studium ist ein Mathematikstudium mit Informatikanwendung, die Ausbildung ist Handwerk am System. Wer das verwechselt, wählt falsch – und zwar in beide Richtungen. Dieser Ratgeber zeigt, woran sich die Eignung erkennen lässt, welche vier IT-Berufe es überhaupt gibt und wie durchlässig die Wege sind.
Der eigentliche Unterschied
| IT-Ausbildung | Informatikstudium | |
|---|---|---|
| Kern | Systeme zum Laufen bringen, Fehler finden | Theorie, Algorithmen, Beweise |
| Mathematik | Rechenpraxis, Umrechnen, Logik | Analysis, Lineare Algebra, Diskrete Mathematik |
| Rückmeldung | täglich im Betrieb | nach der Klausur |
| Geld | Vergütung ab Tag eins | Kosten, Verdienst später |
| Kunde | fast immer dabei | erst im Beruf |
Die zweite Zeile ist die, an der die meisten Studienabbrüche hängen. Wer programmieren kann, aber Analysis nicht mag, ist in der Ausbildung besser aufgehoben – und umgekehrt.
Die vier IT-Ausbildungsberufe
Seit der Neuordnung zum 1. August 2020 gibt es genau vier duale IT-Berufe. Der Fachinformatiker führt vier Fachrichtungen:
- Fachinformatiker/-in – Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse, Digitale Vernetzung
- IT-System-Elektroniker/-in – Hardware, Netze, Inbetriebnahme vor Ort
- Kaufmann/-frau für IT-System-Management – IT-Dienstleistungen anbieten und verwalten
- Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement – Geschäftsprozesse digitalisieren
Wer nach IT-System-Kaufmann oder Informatikkaufmann sucht, findet nichts mehr – die beiden Berufe wurden 2020 umbenannt und neu zugeschnitten. Ausführlich in IT-Ausbildung.
Durchlässig in beide Richtungen
Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 öffnet ein Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 BBiG jedes Studium ohne Abitur, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen. Umgekehrt wird ein abgebrochenes Informatikstudium auf eine anschließende IT-Ausbildung häufig angerechnet; darüber entscheidet die zuständige Kammer, und zusätzlich lässt sich die Ausbildungszeit nach § 8 BBiG auf gemeinsamen Antrag verkürzen.
Was beide Wege nicht verlangen
Vorkenntnisse im Programmieren sind für keinen der beiden Wege Voraussetzung. Für die duale Ausbildung gibt es ohnehin keine gesetzliche Schulabschlussvoraussetzung; das Berufsbildungsgesetz kennt keine, und nach § 14 BBiG hat der Betrieb die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Für das Studium genügt die Hochschulzugangsberechtigung.
Was beide verlangen, ist dasselbe: Ausdauer bei der Fehlersuche und die Bereitschaft, englische Dokumentation zu lesen. Der größte Teil der Arbeit besteht darin, herauszufinden, warum etwas nicht funktioniert – und das ist die Eigenschaft, die Ausbilder und Hochschulen übereinstimmend zuerst nennen.
Häufig gestellte Fragen: IT-Ausbildung oder Informatikstudium 2027: Der Unterschied liegt in der Mathematik
Kann man ohne Studium in die IT?
Ja – und zwar über vier dual geregelte Ausbildungsberufe, nicht über Quereinstieg als Regelfall. Seit der Neuordnung zum 1. August 2020 sind das:
- Fachinformatiker mit vier Fachrichtungen,
- IT-System-Elektroniker,
- Kaufmann für IT-System-Management,
- Kaufmann für Digitalisierungsmanagement.
Einen gesetzlich vorgeschriebenen Schulabschluss gibt es für keinen davon: Das Berufsbildungsgesetz kennt keinen, und jeder Betrieb entscheidet selbst.
Nach der Ausbildung führen mehrere Wege weiter – Spezialisierungen in Richtung IT-Sicherheit, Datenbanken oder Cloud-Betrieb, Fortbildungsabschlüsse und nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 das Studium ohne Abitur, wenn der Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 BBiG mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasste. Was in den Berufen tatsächlich getan wird, zeigt IT-Berufe ohne Studium.
Was verdient ein Fachinformatiker?
In der Ausbildung laut BIBB im Schnitt 1.102 Euro im ersten, 1.169 Euro im zweiten und 1.253 Euro im dritten Jahr – das sind Tarifwerte für 2024; danach entscheidet vor allem die Spezialisierung.
Die gesetzliche Untergrenze liegt nach § 17 Abs. 2 BBiG für Verträge mit Beginn 2026 bei 724 Euro im ersten Jahr. Wo ein Tarifvertrag gilt, hat er nach § 17 Abs. 3 BBiG Vorrang. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch deshalb nach der Tarifbindung – das sagt mehr über die Vergütung als der Berufstitel.
Für die Zeit nach der Ausbildung liefert der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit belastbare Werte, weil er auf den gemeldeten Bruttoentgelten der Sozialversicherung beruht und einzelne Berufe vergleicht.
Den größten Sprung macht danach die Aufstiegsfortbildung, gefördert über das Aufstiegs-BAföG nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz. Welche IT-Berufe es gibt, steht in IT-Berufe ohne Studium.
Ist ein Informatik-Studium schwer?
Es ist vor allem mathematisch – und daran, nicht am Programmieren, scheitern viele. In den ersten Semestern stehen Analysis, Lineare Algebra und Diskrete Mathematik im Vordergrund; wer das nicht erwartet, erlebt einen Bruch zwischen dem, was er sich ausgemalt hat, und dem, was verlangt wird.
Einordnen lässt sich das mit einer Zahl über alle Fächer: Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ermittelte für die Bachelor-Anfängerjahrgänge 2016 und 2017 eine Abbruchquote von 28 Prozent, an Universitäten 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften 20 Prozent.
Ein brauchbarer Vorabtest kostet nichts: Lassen Sie Ihr Kind ein Kapitel Hochschulmathematik durcharbeiten, nicht ein Programmiertutorial. Wer daran Freude hat, ist im Studium richtig; wer lieber ein System zum Laufen bringt, in der Ausbildung – welche das sind, steht in IT-Berufe ohne Studium.
Welche IT-Ausbildungsberufe gibt es?
Genau vier, seit der Neuordnung der IT-Berufe zum 1. August 2020 – und der erste trägt vier Fachrichtungen, in denen die eigentliche Entscheidung fällt.
- Fachinformatiker in Anwendungsentwicklung, Systemintegration sowie den 2020 neu hinzugekommenen Fachrichtungen Daten- und Prozessanalyse und Digitale Vernetzung,
- IT-System-Elektroniker für Hardware, Netze und Inbetriebnahme,
- Kaufmann für IT-System-Management,
- Kaufmann für Digitalisierungsmanagement.
Die beiden kaufmännischen Berufe sind 2020 aus dem früheren IT-System-Kaufmann und dem Informatikkaufmann hervorgegangen; unter den alten Namen findet man nichts mehr.
Mit der Neuordnung wurden außerdem IT-Sicherheit und Datenschutz in allen vier Berufen ausgeweitet und die gestreckte Abschlussprüfung eingeführt – deren erster Teil ist nach § 37 BBiG nicht eigenständig wiederholbar. Welcher Beruf zu wem passt, beschreibt IT-Berufe ohne Studium.
Für wen ist welcher Weg der richtige?
An drei Beobachtungen aus dem Alltag, nicht am Notendurchschnitt: dem Umgang mit unstrukturierter Zeit, der Ausdauer bei Theorie ohne sichtbaren Zweck und dem Bedürfnis nach Rückmeldung.
Wer sich Aufgaben selbst einteilt und ein Thema auch dann verfolgt, wenn es gerade zu nichts führt, kommt im Studium zurecht. Wer besser arbeitet, sobald etwas läuft, und regelmäßige Rückmeldung braucht, findet beides in der Ausbildung täglich.
Ein Eignungszeichen für die IT ist unabhängig vom Weg dasselbe: Ausdauer bei der Fehlersuche, denn der größte Teil der Arbeit besteht darin, herauszufinden, warum etwas nicht funktioniert. Viel Zeit am Rechner ist dagegen kein Merkmal – wer spielt, konsumiert Software; wer moddet, einen Server aufsetzt oder dem Verein die Technik macht, produziert sie.
Den Vergleich beider Wege insgesamt zieht Ausbildung oder Studium.
Übersicht zum Thema: Berufe mit Zukunft 2027: 10 Ausbildungsberufe mit guten Aussichten