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IT-Ausbildung 2027: Die vier Berufe und wofür sie stehen

IT-Berufe mit Ausbildung statt Studium: Es gibt nicht die IT-Ausbildung, sondern genau vier duale Berufe. Wofür jeder steht und wo die Entscheidung fällt.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Es gibt nicht „die IT-Ausbildung", sondern genau vier duale IT-Berufe – und die Entscheidung fällt nicht zwischen ihnen, sondern innerhalb des ersten. Seit dem 1. August 2020 gelten neu geordnete Ausbildungsordnungen: Fachinformatiker mit vier Fachrichtungen, IT-System-Elektroniker, Kaufmann für IT-System-Management und Kaufmann für Digitalisierungsmanagement. Wer den Unterschied kennt, spart sich die Suche nach einem Beruf, den es nicht gibt. Dieser Ratgeber zeigt, wofür jeder steht, was Ihr Kind mitbringen muss und wie es nach der Ausbildung weitergeht.

Die vier Berufe

BerufKern der Tätigkeit
Fachinformatiker/-invier Fachrichtungen, siehe unten
IT-System-Elektroniker/-inHardware, Netze, Stromversorgung, Inbetriebnahme vor Ort
Kaufmann/-frau für IT-System-ManagementIT-Dienstleistungen anbieten und vermarkten, Systeme verwalten
Kaufmann/-frau für DigitalisierungsmanagementGeschäftsprozesse im Betrieb digitalisieren

Die beiden kaufmännischen Berufe sind 2020 aus dem früheren IT-System-Kaufmann und dem Informatikkaufmann hervorgegangen. Wer nach diesen alten Bezeichnungen sucht, findet nichts mehr.

Die vier Fachrichtungen des Fachinformatikers

Hier fällt die eigentliche Entscheidung, und sie fällt meist erst im Laufe der Ausbildung:

  • Anwendungsentwicklung – programmieren, Software bauen und pflegen. Der Weg für Kinder, die selbst etwas gebaut haben.
  • Systemintegration – Netzwerke, Server, Betrieb. Für die, die lieber Systeme zum Laufen bringen als Code schreiben.
  • Daten- und Prozessanalyse – 2020 neu. Daten auswerten, Prozesse verstehen und verbessern. Näher an Statistik und Fachbereich als an Technik.
  • Digitale Vernetzung – ebenfalls 2020 neu. Maschinen, Sensoren und Anlagen verbinden; der Berührungspunkt zur Industrie.

In allen vier Berufen sind mit der Neuordnung IT-Sicherheit und Datenschutz deutlich ausgeweitet worden, und alle prüfen in der gestreckten Abschlussprüfung – Teil 1 zählt ins Gesamtergebnis und lässt sich nicht eigenständig wiederholen.

Was Ihr Kind wirklich mitbringen muss

Nicht Vorkenntnisse im Programmieren. Was Ausbilder nennen:

  • Ausdauer bei Fehlersuche. Der größte Teil der Arbeit besteht darin, herauszufinden, warum etwas nicht funktioniert.
  • Lesen und Schreiben. Dokumentation, Tickets, Fachtexte – oft auf Englisch.
  • Umgang mit Menschen. In drei der vier Berufe ist der Kunde der Alltag, nicht die Ausnahme.
  • Mathematik in Maßen. Logisches Denken zählt, höhere Mathematik nicht.

Ein häufiges Missverständnis: Viel Zeit am Rechner ist kein Eignungsmerkmal. Wer spielt, konsumiert Software; wer moddet, Server aufsetzt, ein Wiki pflegt oder einem Verein die Technik macht, produziert sie.

Wie es danach weitergeht

Die IT ist einer der Bereiche mit den kürzesten Wegen nach oben: Fachwirt oder Fachinformatiker mit Spezialisierung, Techniker, Betriebswirt. Und der Zugang zur Hochschule steht offen – nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 öffnet ein Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 BBiG jedes Studium ohne Abitur, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen. Mehr dazu in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.

Häufig gestellte Fragen: IT-Ausbildung 2027: Die vier Berufe und wofür sie stehen

Welche IT-Ausbildung ist die beste?

Das hängt davon ab, was Ihr Kind tun will – wer programmieren oder Systeme betreuen möchte, landet fast immer beim Fachinformatiker in der passenden Fachrichtung.

Seit dem 1. August 2020 gibt es vier neu geordnete duale IT-Berufe. Nach Tätigkeit sortiert:

  • Programmieren: Fachinformatiker in Anwendungsentwicklung.
  • Systeme und Daten betreuen: Fachinformatiker in Systemintegration; die Fachrichtungen Daten- und Prozessanalyse und Digitale Vernetzung sind 2020 neu dazugekommen.
  • Hardware und Netze: IT-System-Elektroniker, mit handwerklichem Anteil.
  • Kunden und Geschäftsprozesse: Kaufmann für IT-System-Management oder für Digitalisierungsmanagement.

Was in jedem Beruf tatsächlich getan wird, beschreibt BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit – ein guter Vorab-Check vor der Bewerbung. Ob stattdessen ein Studium passt, klärt IT-Ausbildung oder Informatikstudium.

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Braucht mein Kind Abitur für eine IT-Ausbildung?

Nein – formal gibt es für keinen der vier IT-Berufe eine gesetzliche Schulabschlussvoraussetzung, das Berufsbildungsgesetz kennt keine. Praktisch stellen Betriebe unterschiedlich ein: Große IT-Dienstleister verlangen häufig Fachhochschulreife oder Abitur, mittelständische Betriebe und Handwerksbetriebe nehmen regelmäßig Bewerber mit mittlerem Schulabschluss, teils auch mit Hauptschulabschluss.

Wichtiger als der Abschluss sind zwei Dinge:

  • Nachweisbares eigenes Tun – ein selbst aufgesetzter Server, ein kleines Programm, die Technik im Verein.
  • Englisch, weil Dokumentation und Fehlermeldungen meist englisch sind.

Ein Argument gegen das Warten auf einen höheren Abschluss: Der Weg zur Hochschule bleibt offen. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 öffnet ein Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 BBiG jedes Studium ohne Abitur, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen. Die Wege im Einzelnen stehen in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.

Mehr zur Frage: Braucht mein Kind Abitur für eine IT-Ausbildung?

Wie viel verdient man in IT-Berufen nach der Ausbildung?

Die Spanne ist groß und hängt weniger am Beruf als an Branche, Region und Tarifbindung – verlässliche Werte für den konkreten Beruf liefert der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Er beruht auf den gemeldeten Bruttoentgelten der Sozialversicherung und vergleicht einzelne Berufe, statt eine Sammelstatistik über „die IT“ zu bilden.

Schon in der Ausbildung unterscheidet sich die Vergütung erheblich: Die gesetzliche Untergrenze liegt nach § 17 Abs. 2 BBiG für Verträge mit Beginn 2026 bei 724 Euro im ersten Jahr, tarifgebundene Betriebe im öffentlichen Dienst und in der Industrie zahlen deutlich mehr. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch deshalb nach der Tarifbindung – das sagt mehr als der Berufstitel.

Nach der Ausbildung verschiebt vor allem die Spezialisierung das Einkommen, etwa in Richtung IT-Sicherheit, Datenbanken oder Cloud-Betrieb. Wie Ausbildung und Studium in der IT sich unterscheiden, steht in IT-Ausbildung oder Informatikstudium.

Mehr zur Frage: Wie viel verdient man in IT-Berufen nach der Ausbildung?

Mein Kind spielt nur Computerspiele – ist das eine Basis für eine IT-Ausbildung?

Für sich genommen nein – Spielen ist Konsum von Software, nicht Umgang mit ihr. Entscheidend ist, ob Ihr Kind vom Spielen ins Herstellen gewechselt ist.

Aussagekräftige Zeichen dafür sind:

  • einen eigenen Server für Freunde aufsetzen,
  • Mods bauen,
  • ein Wiki oder einen Discord administrieren,
  • dem Sportverein die Technik machen,
  • ein kleines Skript schreiben.

Wer das tut, bringt die Eigenschaft mit, auf die es ankommt: Ausdauer bei der Fehlersuche. Wer ausschließlich spielt, hat sie noch nicht gezeigt.

Die einfachste Probe kostet nichts: Bitten Sie Ihr Kind, etwas Kleines zum Laufen zu bringen, das nicht von selbst läuft – ein alter Laptop mit einem anderen Betriebssystem reicht. Was danach passiert, sagt mehr als jeder Fragebogen. Mehr dazu in Kind will Gamer werden.

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Kann mein Kind mit einer IT-Ausbildung ins Ausland gehen?

Ja, und das Berufsbildungsgesetz sieht das ausdrücklich vor: Teile der Ausbildung dürfen im Ausland absolviert werden. Bei Aufenthalten von mehr als acht Wochen verlangt § 76 BBiG einen mit der zuständigen Stelle abgestimmten Plan – das ist keine Hürde, sondern der geregelte Weg; kürzere Aufenthalte sind unproblematisch. Finanziert werden solche Abschnitte in der Regel über europäische Mobilitätsprogramme, die Kammern beraten dazu.

Nach der Ausbildung ist die Lage günstig, weil IT-Qualifikationen international vergleichbar sind und die Arbeitssprache oft ohnehin Englisch ist. Der deutsche Kammerabschluss ist im europäischen Ausland allerdings nicht automatisch anerkannt, sondern wird im Einzelfall bewertet.

Praktisch entscheidender als die Anerkennung sind belegbare Fähigkeiten und Englisch auf Arbeitsniveau – beides lässt sich während der Ausbildung aufbauen.

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Was hat sich mit der Neuordnung 2020 geändert?

Drei Dinge – und die dritte ist für Familien die folgenreichste.

  • Zwei neue Fachrichtungen beim Fachinformatiker. Zu Anwendungsentwicklung und Systemintegration sind Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung hinzugekommen: die erste zielt auf Datenauswertung und Prozessverbesserung, die zweite auf die Vernetzung von Maschinen und Anlagen.
  • Deutlich mehr IT-Sicherheit und Datenschutz in allen Berufen. Die beiden kaufmännischen Berufe wurden dabei umbenannt und neu zugeschnitten: aus dem IT-System-Kaufmann wurde der Kaufmann für IT-System-Management, aus dem Informatikkaufmann der Kaufmann für Digitalisierungsmanagement.
  • Die gestreckte Abschlussprüfung. Teil 1 findet in der Mitte der Ausbildung statt und zählt ins Gesamtergebnis. Er lässt sich nach § 37 BBiG nicht eigenständig wiederholen – ein schwacher Teil 1 muss also über Teil 2 ausgeglichen werden.
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