Ausbildungsberufe & Branchen
Kreative Berufe mit Ausbildung 2027: Die Wege und die Kostenfalle
Die wichtigste Unterscheidung ist nicht das Fach, sondern die Ausbildungsform – davon hängt ab, ob Ihr Kind Geld bekommt oder Schulgeld zahlt.
Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am
Die wichtigste Unterscheidung bei kreativen Berufen ist nicht das Fach, sondern die Ausbildungsform – denn davon hängt ab, ob Ihr Kind Geld bekommt oder Schulgeld zahlt. Duale Ausbildungen zahlen ab dem ersten Tag; schulische Ausbildungen an privaten Akademien kosten in manchen Fällen mehrere hundert Euro im Monat. Dieser Ratgeber sortiert die Wege, zeigt woran sich Eignung erkennen lässt und was vor der Anmeldung schriftlich geklärt sein muss.
Duale Ausbildung: bezahlt, mit Kammerabschluss
Hier gilt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 Abs. 2 BBiG – 724 Euro im ersten Jahr für Verträge mit Beginn 2026, Schulgeld fällt nicht an. Gestaltende Berufe in dieser Gruppe sind unter anderem:
- Mediengestalter/-in Digital und Print sowie Bild und Ton
- Fotograf/-in
- Maßschneider/-in und Modeschneider/-in
- Goldschmied/-in, Graveur/-in
- Raumausstatter/-in, Tischler/-in
- Schilder- und Lichtreklamehersteller/-in
- Buchbinder/-in, Keramiker/-in, Glasapparatebauer/-in
Viele davon sind Handwerksberufe – mit dem Nebeneffekt, dass der Meisterbrief später jedes Studium ohne Abitur öffnet.
Schulische Ausbildung: prüfen, was sie kostet
Berufe wie Grafikdesign, Illustration, Modedesign oder Bühnenbild laufen überwiegend schulisch – an Berufsfachschulen, Fachschulen oder privaten Akademien. Hier ist Vorsicht geboten:
Klären Sie vor der Anmeldung schriftlich drei Dinge: ob Schulgeld anfällt und wie hoch es ist, ob eine Ausbildungsvergütung gezahlt wird (meist nicht), und ob der Abschluss staatlich anerkannt ist. Viele Bundesländer haben inzwischen Schulgeldfreiheit für einzelne Ausbildungen eingeführt – das gilt aber nicht flächendeckend und nicht für alle Anbieter.
Woran sich Eignung erkennen lässt
Nicht an Talent, sondern an vier Beobachtungen:
- Es gibt ein Ergebnis, das jemand anderes nutzt oder sieht – nicht nur Skizzen in der Schublade.
- Kritik wird ausgehalten und führt zu einer zweiten Fassung.
- Der langweilige Teil wird mitgemacht: Reinzeichnung, Korrekturschleifen, Formate anpassen.
- Es entsteht auch auf Zuruf, nicht nur bei Stimmung. Aufträge kommen nicht, wenn es gerade passt.
Die vierte Beobachtung ist die aussagekräftigste. Ein Auftrag von jemand anderem – ein Plakat für den Verein, ein Logo für den Nachbarn – ist der realistischste Test, den es gibt.
Die Mappe ersetzt das Zeugnis
Für die duale Ausbildung gibt es keine gesetzliche Schulabschlussvoraussetzung; das Berufsbildungsgesetz kennt keine. In gestaltenden Berufen zählt eine Mappe regelmäßig mehr als der Notendurchschnitt – und sie entsteht nicht in zwei Wochen. Wer in Klasse 9 anfängt zu sammeln, hat in Klasse 10 eine.
Wie sich aus einem Interesse ein Beruf ableiten lässt, steht in Interessen beruflich nutzen.
Häufig gestellte Fragen: Kreative Berufe mit Ausbildung 2027: Die Wege und die Kostenfalle
Kann mein Kind von einem kreativen Beruf leben?
In den dual geregelten Berufen ja, wie in anderen Ausbildungsberufen auch – die Sorge trifft eher die freiberuflichen Wege.
Wer eine duale Ausbildung macht, ist angestellt und wird entsprechend bezahlt: Schon in der Ausbildung greift die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 Abs. 2 BBiG mit 724 Euro im ersten Jahr für Verträge mit Beginn 2026, tarifgebundene Betriebe zahlen mehr. Belastbare Werte für die Zeit danach liefert der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit – dort lässt sich Mediengestaltung mit dem Goldschmiedehandwerk vergleichen, statt über „kreative Berufe“ zu reden.
Anders liegt es bei selbstständiger Gestaltungsarbeit: Das Einkommen schwankt stark, Kranken- und Rentenversicherung werden selbst getragen.
Der übliche Weg ist deshalb: erst Ausbildung und einige Jahre angestellt, dann gegebenenfalls selbstständig – mit Kundenstamm und Preisgefühl. Welche Ausbildungen gut zahlen, zeigt Gut bezahlte Ausbildungsberufe.
Welche kreativen Berufe haben die besten Zukunftsaussichten?
Belastbarer als Listen mit Modeberufen ist die Lage am Ausbildungsmarkt – und dort haben handwerklich-gestaltende Berufe oft bessere Chancen als reine Medienberufe.
Sichtbare Berufsbilder ziehen den Andrang an, während Nachbarberufe mit ähnlich gestalterischer Tätigkeit wie Raumausstatter, Tischler oder Schilder- und Lichtreklamehersteller häufig Plätze frei haben. Insgesamt meldete die Bundesagentur für Arbeit zum Ende des Beratungsjahres 2024/25 rund 54.000 unbesetzte Ausbildungsstellen bei rund 40.000 unversorgten Bewerbern.
Ein zweiter Punkt zur Zukunftsfrage: Im Handwerk öffnet der Meisterbrief nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 jedes Studium ohne Abitur. Und er erlaubt die Selbstständigkeit auch in den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung, für die § 1 HwO die Eintragung in die Handwerksrolle verlangt. Welche Gewerke dazugehören, zeigt Handwerksberufe mit Zukunft.
Sollte mein Kind lieber studieren als eine kreative Ausbildung machen?
Das hängt am Berufsziel, nicht am Anspruch – und für viele gestaltende Tätigkeiten ist die Ausbildung der direktere Weg. Ein Designstudium lohnt sich, wenn Konzeption, Strategie oder Lehre das Ziel sind. Für die handwerkliche und produzierende Gestaltung führt die duale Ausbildung schneller hin, zahlt ab dem ersten Tag und endet mit einem Kammerabschluss.
Der oft übersehene Punkt: Beide Wege führen ineinander über. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 öffnet ein Meister-, Techniker- oder Fachwirtabschluss jedes Studium ohne Abitur, bei Fortbildungsabschlüssen nach §§ 53, 54 BBiG bei mindestens 400 Unterrichtsstunden Lehrgangsumfang.
Wichtiger als die Entscheidung zwischen beiden ist deshalb die Ausbildungsform: Duale Ausbildungen zahlen, schulische Ausbildungen an privaten Akademien kosten teils erhebliches Schulgeld. Klären Sie das schriftlich, bevor unterschrieben wird. Den allgemeinen Vergleich zieht Ausbildung oder Studium.
Wie erkenne ich ob mein Kind fuer einen kreativen Beruf geeignet ist?
An vier Beobachtungen, von denen keine mit Talent zu tun hat – und die vierte ist die aussagekräftigste.
- Gibt es ein Ergebnis, das jemand anderes nutzt oder sieht, nicht nur Skizzen in der Schublade?
- Wird Kritik ausgehalten, und führt sie zu einer zweiten Fassung?
- Wird der langweilige Teil mitgemacht – Reinzeichnung, Korrekturschleifen, Formate anpassen?
- Entsteht etwas auch auf Zuruf, nicht nur bei Stimmung?
Der realistischste Test ist deshalb ein echter Auftrag von jemand anderem, mit Termin: ein Plakat für den Verein, ein Logo für den Nachbarn, Fotos für eine Veranstaltung. Was danach passiert, sagt mehr als jede Einschätzung.
Ergänzend zeigt BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit, was in einem gestaltenden Ausbildungsberuf tatsächlich getan wird – meist deutlich mehr Technik und Kundenarbeit, als Jugendliche erwarten. Das zählt: 2024 wurden 29,7 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, und falsche Vorstellungen vom Beruf gehören zu den Gründen.
Worauf muss ich bei privaten Akademien achten?
Auf drei Punkte, die alle schriftlich vorliegen sollten, bevor unterschrieben wird:
- Schulgeld. Schulische Ausbildungen in Grafik, Illustration, Mode oder Bühnenbild laufen häufig an privaten Einrichtungen, und dort fällt regelmäßig Schulgeld an – teils mehrere hundert Euro im Monat über zwei bis drei Jahre. Einige Bundesländer haben Schulgeldfreiheit für einzelne Ausbildungen eingeführt, das gilt aber weder flächendeckend noch für alle Anbieter.
- Vergütung. Eine Ausbildungsvergütung gibt es in der Regel nicht, weil kein Ausbildungsvertrag nach dem Berufsbildungsgesetz besteht; damit greift auch die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 Abs. 2 BBiG nicht.
- Staatliche Anerkennung des Abschlusses – und dazu die Kündigungs- und Rückzahlungsregelungen für den Fall eines Abbruchs.
Und prüfen Sie die duale Alternative: Für viele gestaltende Tätigkeiten gibt es einen dual geregelten Beruf, der zahlt statt zu kosten.
Wie baut mein Kind eine Mappe auf?
Früh anfangen und Aufträge sammeln statt Lieblingsstücke – eine Mappe entsteht über Monate, nicht in zwei Wochen. Für die duale Ausbildung gibt es keine gesetzliche Schulabschlussvoraussetzung; in gestaltenden Berufen zählt die Mappe deshalb regelmäßig mehr als der Notendurchschnitt.
Hinein gehören:
- acht bis zwölf Arbeiten, die eine Bandbreite zeigen,
- zwei bis drei davon für jemand anderen entstanden – das unterscheidet eine Mappe von einer Sammlung,
- zu jeder Arbeit zwei Sätze zur Aufgabe und zur Lösung, denn in Auswahlgesprächen wird danach gefragt.
Wer in Klasse 9 anfängt zu sammeln, hat in Klasse 10 eine. Gelegenheiten für echte Aufträge gibt es reichlich und kostenlos: Vereine, Schulveranstaltungen, Nachbarschaft. Und lieber acht fertige Arbeiten als zwanzig angefangene. Wie die Bewerbung darum herum aussieht, steht in Bewerbung für die Ausbildung.
Übersicht zum Thema: Berufe mit Zukunft 2027: 10 Ausbildungsberufe mit guten Aussichten