Ausbildungsberufe & Branchen
Handwerksberufe mit Zukunft 2027: Chancen, Gehalt und Meister für Eltern erklärt
Welche Handwerksberufe haben 2027 wirklich Zukunft? Acht Berufe mit belegter Nachfrage, ihrer Vergütung und der einen Frage, die Sie vorher stellen sollten.
Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am
Handwerksberufe gehören 2027 zu den sichersten Wegen in eine Ausbildung: Die Bundesagentur für Arbeit zählt für das Datenjahr 2025 weiterhin Engpässe in Bau- und Handwerksberufen, im Handwerk blieben laut Berufsbildungsbericht 2026 über 16.000 angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt, und der Meisterbrief ist im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe eingeordnet wie ein Bachelor. Welcher Handwerksberuf zu Ihrem Kind passt, entscheidet sich nicht an einer Rangliste, sondern an drei Fragen: Was macht Ihr Kind gern mit den Händen, wie viel Technik steckt im Beruf, und wie belastbar ist es körperlich? Dieser Ratgeber gibt Ihnen die belegten Zahlen für das Gespräch zu Hause – ohne Versprechen, die kein Betrieb halten kann.
Warum das Handwerk 2027 gute Chancen bietet
Drei Zahlen, die Sie kennen sollten, bevor Sie mit Ihrem Kind über das Handwerk sprechen:
- Engpass bleibt. Die Bundesagentur für Arbeit weist in ihrer Engpassanalyse für 2025 (veröffentlicht am 2. September 2026) 157 Engpassberufe aus. Neben Pflege und Gesundheit „bestanden Engpässe auch in Bau- und Handwerksberufen". Der Anteil ausländischer Beschäftigter in diesen Berufen hat sich seit 2014 von 7 auf rund 14 Prozent verdoppelt – Betriebe suchen also längst über Deutschland hinaus.
- Plätze bleiben frei. Laut Berufsbildungsbericht 2026 schloss das Handwerk 2025 insgesamt 135.540 neue Lehrverträge, ein Plus von 0,4 Prozent, während die Zahl bundesweit um 2,1 Prozent auf 476.000 sank. Trotzdem blieben über 16.000 im Handwerk angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt. Für Ihr Kind heißt das: Wer sich ordentlich bewirbt, hat in den meisten Gewerken Auswahl.
- Das Handwerk bildet mehr aus als sein Anteil an der Wirtschaft. Nach ZDH-Kennzahlen 2025 lernen rund 346.000 junge Menschen in einem der etwa 1,04 Millionen Handwerksbetriebe – das sind 28,7 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland.
Hinter den Zahlen stehen zwei Treiber, die bis weit über 2027 hinaus wirken: Das Klimaschutzgesetz schreibt Treibhausgasneutralität bis 2045 fest, und dafür müssen Heizungen, Dächer, Stromnetze und Gebäudehüllen millionenfach umgebaut werden – Arbeit, die kein Rechenzentrum übernimmt. Gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, gerade in Betrieben, die seit Jahrzehnten vom selben Meister geführt werden.
Was das nicht bedeutet: Es gibt keine „Jobgarantie" und keinen Handwerksberuf, der automatisch mehr einbringt als ein Studium. Verdienst und Sicherheit hängen vom Gewerk, vom Tarifvertrag, von der Region und davon ab, ob Ihr Kind später als Geselle, Meister oder Selbstständiger arbeitet. Wie das Handwerk im Vergleich zu anderen Ausbildungsfeldern dasteht, zeigt unser Überblick zu Ausbildungsberufen mit Zukunft.
Welche Handwerksberufe haben gute Aussichten für mein Kind?
Die folgenden acht Berufe stehen in keiner Rangfolge. Sie sind ausgewählt, weil sie zu den Engpassfeldern Bau, Energie und Technik gehören und weil das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für sie tarifliche Ausbildungsvergütungen veröffentlicht. Alle Vergütungen: BIBB-Datenbank, Durchschnitt Bundesgebiet 2024, brutto pro Monat, 1. bis 3. (bzw. 4.) Ausbildungsjahr. Zu jedem Beruf finden Sie eine Frage, mit der Sie zu Hause prüfen können, ob er zu Ihrem Kind passt.
Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik
3,5 Jahre Ausbildung. Photovoltaik, Wallboxen, Wärmepumpen-Verkabelung, Smart-Home-Systeme und das klassische Hausnetz: Kaum ein Gewerk verbindet Energiewende und Digitalisierung so direkt. Vergütung 2024: 939 / 1.007 / 1.089 / 1.158 Euro. Mathematisch-physikalisches Grundverständnis ist wichtiger als der Schulabschluss.
Frage für Ihr Kind: „Willst du wissen, warum ein Gerät funktioniert – oder reicht dir, dass es funktioniert?"
Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
3,5 Jahre. Der Heizungstausch ist die Kernaufgabe der Wärmewende, und die SHK-Betriebe sind seit Jahren ein Engpassfeld. Vergütung 2024: 880 / 934 / 1.016 / 1.084 Euro. Der Beruf ist abwechslungsreicher, als der Name klingt: Hydraulik, Regelungstechnik, Kundenkontakt beim Menschen zu Hause.
Frage für Ihr Kind: „Würdest du gern in fremden Wohnungen arbeiten und den Leuten erklären, was du gerade machst?"
Kraftfahrzeugmechatroniker
3,5 Jahre. Elektroautos, Assistenzsysteme und Diagnosesoftware haben den Beruf in zehn Jahren stärker verändert als in den fünfzig davor. Vergütung 2024 im Handwerk: 1.012 / 1.066 / 1.142 / 1.201 Euro. Wer heute anfängt, arbeitet ab 2030 überwiegend an Hochvoltsystemen.
Frage für Ihr Kind: „Interessiert dich, wie ein E-Auto seine Reichweite berechnet – oder nur, wie schnell es fährt?"
Dachdecker
3 Jahre. Dachsanierung, Dämmung und Solarmontage machen den Beruf zu einem der zentralen Gewerke der Energiewende. Vergütung 2024: 871 / 1.052 / 1.327 Euro – der Sprung im dritten Jahr ist typisch für die Bautarife. Körperlich fordernd, wetterabhängig, und Höhenangst ist ein Ausschlusskriterium.
Frage für Ihr Kind: „Stehst du gern draußen, auch im November?"
Zimmerer
3 Jahre. Holzbau wächst, weil er CO₂ speichert und schnell montiert ist; Aufstockungen und Holzrahmenbau sind Wachstumsfelder. Vergütung 2024: 1.068 / 1.282 / 1.528 Euro – das ist unter den Handwerksberufen mit die höchste Ausbildungsvergütung im dritten Jahr. Räumliches Vorstellungsvermögen zählt mehr als Schulnoten.
Frage für Ihr Kind: „Kannst du dir einen Dachstuhl vorstellen, bevor er steht?"
Maurer
3 Jahre. Rohbau, Sanierung und Klinkerfassaden – der Beruf profitiert vom Bautarif, der ab 1. April 2026 bundesweit einheitlich gilt. Vergütung 2024: 1.078 / 1.286 / 1.536 Euro. Wer später Polier oder Bauleiter werden will, findet hier den direktesten Einstieg.
Frage für Ihr Kind: „Willst du am Ende des Tages sehen, was du gebaut hast?"
Tischler
3 Jahre. Möbel, Innenausbau, Fenster und zunehmend CNC-gesteuerte Fertigung. Vergütung 2024: 771 / 921 / 1.041 Euro – im ersten Jahr unter dem Handwerksschnitt, dafür mit hoher Zufriedenheit bei allen, die gern gestalten. Seit 2026 gilt auch hier die gesetzliche Mindestvergütung von 724 Euro im ersten Jahr als Untergrenze.
Frage für Ihr Kind: „Baust du lieber etwas Neues – oder reparierst du lieber etwas Kaputtes?"
Maler und Lackierer
3 Jahre. Fassadendämmung, Schimmelsanierung, Bautenschutz und Gestaltung – weit mehr als Wände streichen. Vergütung 2024: 822 / 909 / 1.073 Euro. Ein guter Einstieg für Jugendliche, die ordentlich und mit Farbgefühl arbeiten, aber nicht die schwerste körperliche Last tragen wollen.
Frage für Ihr Kind: „Merkst du, wenn eine Kante nicht sauber ist – und stört es dich?"
Zwei Hinweise zur Einordnung: Mechatroniker und Industriemechaniker sind Industrieberufe, keine Handwerksberufe – sie gehören in unseren Überblick zu Ausbildungsberufen mit Zukunft. Und Berufe wie Bäcker (862 / 949 / 1.088 Euro) oder Friseur (610 / 720 / 837 Euro laut BIBB 2024, inzwischen durch die Mindestvergütung angehoben) sind nicht „schlechter", sie haben nur keinen Engpass-Rückenwind durch die Energiewende.
Was verdient mein Kind in der Ausbildung und danach?
In der Ausbildung: Über alle Ausbildungsberufe hinweg lag die tarifliche Vergütung laut BIBB 2024 bei 1.042 / 1.123 / 1.223 / 1.255 Euro brutto; 2025 stieg der Durchschnitt aller Jahre auf 1.209 Euro. Die Bau- und Elektrogewerke liegen darüber, Tischler, Maler und Lebensmittelhandwerk darunter. Seit dem 1. Januar 2026 gilt für alle Ausbildungen die gesetzliche Mindestvergütung von 724 / 854 / 977 / 1.014 Euro (§ 17 BBiG). Eine Tabelle aller Berufe finden Sie in unserer Übersicht zur Ausbildungsvergütung.
Nach der Gesellenprüfung: Hier gibt es keinen bundesweiten Durchschnitt, den Sie Ihrem Kind guten Gewissens nennen könnten – die Spanne zwischen Gewerken und Regionen ist zu groß. Was es gibt, sind Tarifverträge. Ein datiertes Beispiel: Im Bauhauptgewerbe gilt seit dem 1. April 2026 bundesweit ein Gesamtstundenlohn von 23,97 Euro für Facharbeiter (Lohngruppe 3, inklusive Bauzuschlag); die Ausbildungsvergütung am Bau beträgt 1.122 / 1.351 / 1.610 / 1.714 Euro. Bei einer 40-Stunden-Woche sind das rechnerisch gut 4.100 Euro brutto im Monat – vor Zulagen, aber auch nur in tarifgebundenen Betrieben. Bau, Elektro und Dachdecker haben allgemeinverbindliche Tarifverträge, andere Gewerke nicht. Fragen Sie beim Vorstellungsgespräch ruhig nach: „Zahlen Sie nach Tarif?" ist eine völlig normale Frage.
Mit Meister: Für Meister gibt es keine Tariftabelle, weil sie je nach Betrieb angestellt, leitend oder selbstständig arbeiten. Belastbar ist: Der Meisterbrief ist die Voraussetzung, um in den 53 zulassungspflichtigen Gewerken (Anlage A der Handwerksordnung, darunter seit dem 14. Februar 2020 wieder Fliesenleger, Parkettleger und Raumausstatter) einen eigenen Betrieb zu führen und selbst auszubilden. Wer diesen Weg geht, entscheidet über sein Einkommen weitgehend selbst. Welche Berufe ohne Studium gut bezahlt sind, vergleichen wir in Berufe ohne Studium mit gutem Verdienst.
Wie geht es nach der Ausbildung weiter – Meister, Techniker oder Studium?
Der Vorteil des Handwerks ist nicht, dass es „mehr" bringt als ein Studium, sondern dass die Wege danach offen bleiben.
Meisterbrief. Im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) ist der Meister seit 2012 auf Niveau 6 eingeordnet – dieselbe Stufe wie der Bachelor. Seit der Novelle von Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung 2020 darf er den Zusatz „Bachelor Professional" führen. Das ist eine Gleichwertigkeit, keine Gleichheit: Ein Meister ist kein Hochschulabschluss, öffnet aber den allgemeinen Hochschulzugang. Die Finanzierung ist der Punkt, den Eltern meist unterschätzen: Das Aufstiegs-BAföG übernimmt Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis 15.000 Euro, davon 50 Prozent als Zuschuss und 50 Prozent als Darlehen; bei bestandener Prüfung werden weitere 50 Prozent des noch nicht fälligen Darlehens erlassen. Das Meisterstück wird bis 2.000 Euro bezuschusst, in Vollzeit kommt ein Unterhaltsbeitrag von bis zu 1.019 Euro im Monat dazu (Stand der Förderrichtlinie 2026). Mehrere Länder zahlen zusätzlich eine Meisterprämie, etwa Bayern 3.000 Euro für Prüfungen seit 2023 und Hessen 3.500 Euro seit Juni 2024. Netto bleibt vom Meisterkurs oft weniger übrig, als ein Jahr Studium kostet.
Techniker oder Fachwirt. Staatlich geprüfte Techniker (ebenfalls DQR 6) gehen stärker in Planung und Konstruktion, Betriebswirte des Handwerks in die Betriebsführung. Beides wird ebenfalls über das Aufstiegs-BAföG gefördert.
Studium nach der Ausbildung. Mit Meister ist jedes Studium ohne Abitur möglich; mit einer mindestens zweijährigen Ausbildung und drei Jahren Berufspraxis im passenden Bereich ein fachgebundenes, nach einer Eignungsprüfung oder einem erfolgreichen Probejahr. Wie das genau funktioniert, steht in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung. Wer beides direkt verbinden will, findet in vielen Bauberufen triale und duale Modelle – unser Vergleich Ausbildung oder Studium hilft bei der Grundsatzfrage.
Passt das Handwerk zu meinem Kind – und woran erkenne ich das?
Die ehrlichste Antwort liefert kein Test, sondern ein Praktikum. Trotzdem gibt es Anzeichen, die Sie im Alltag beobachten können:
- Ihr Kind repariert, baut oder bastelt freiwillig – Fahrrad, PC, Möbel, Modellbau. Das ist der stärkste Hinweis.
- Es kann sich Dinge räumlich vorstellen und liest lieber eine Bauanleitung als einen Roman.
- Es hält Ordnung, wenn es ihm wichtig ist – Werkzeug, Kabel, Werkbank. Sorgfalt ist im Handwerk keine Nebentugend, sondern Sicherheitsfrage.
- Es hat Ausdauer bei körperlicher Arbeit und ist bei Wind und Kälte nicht sofort raus.
- Es geht gern auf Menschen zu. Fast jedes Gewerk arbeitet beim Kunden; wer das scheut, ist in der Werkstatt besser aufgehoben als auf der Baustelle.
Fehlt der Schulabschluss, den Sie sich gewünscht hätten, ist das kein Hindernis: Nach ZDH-Statistik hatten von den 2024 neu eingestellten Auszubildenden im Handwerk 43 Prozent einen Realschulabschluss, rund ein Drittel einen Hauptschulabschluss, etwa 16 Prozent eine Studienberechtigung und knapp 4 Prozent keinen Abschluss. Der Frauenanteil lag 2025 bei 19,2 Prozent – Töchter sind in Elektro-, SHK- und Kfz-Betrieben gern gesehen, gerade weil sie fehlen.
Wenn Sie nicht sicher sind, wo die Stärken Ihres Kindes liegen, hilft unser Ratgeber Stärken des Kindes herausfinden und der Orientierungstest, den Ihr Kind allein oder mit Ihnen machen kann. Und wenn Handwerk nur eine von mehreren Optionen ist: Welcher Beruf passt zu meinem Kind?
Wie kann ich mein Kind konkret unterstützen?
- Praktikum vor Bewerbung. Zwei Wochen im Betrieb sagen mehr als jeder Berufsfilm. Viele Innungen und Kreishandwerkerschaften vermitteln Plätze; wie Sie sonst suchen, steht in Schülerpraktikum finden.
- Betriebe vergleichen, nicht nur Berufe. Ausbildungsqualität hängt am Betrieb: Gibt es einen festen Ausbilder? Werden Azubis zum Kunden mitgenommen oder nur zum Aufräumen eingeteilt? Übernimmt der Betrieb die Kosten für Berufsschule im Blockunterricht und Fahrten? Ausbildungsbetriebe aus Ihrer Region, die sich Eltern vorstellen, finden Sie unter Unternehmen entdecken.
- Früh bewerben, aber nicht panisch. Große Bau- und Elektrobetriebe besetzen ab Herbst des Vorjahres; kleine Betriebe oft noch im Sommer vor Ausbildungsbeginn. Genau deshalb blieben 2025 über 16.000 Plätze frei. Unsere Anleitung Bewerbung für die Ausbildung: So helfen Eltern richtig zeigt, wo Sie unterstützen und wo Sie sich zurückhalten sollten.
- Berufsschule ernst nehmen. Die meisten Abbrüche im Handwerk passieren nicht wegen der Arbeit, sondern wegen Fachrechnen und Fachtheorie im ersten Jahr. Wer hier früh Nachhilfe organisiert (viele Kammern bieten sie kostenlos), rettet die Ausbildung.
- Über die Probezeit sprechen. Vier Monate sind das Maximum; wenn es nicht passt, ist ein Wechsel innerhalb des Handwerks oft möglich, ohne von vorn zu beginnen. Was in der Probezeit der Ausbildung gilt, sollten Sie vorher kennen.
Wenn Sie sich mit anderen Eltern austauschen wollen, deren Kinder gerade dieselbe Entscheidung treffen, finden Sie im Elternclub den Rahmen dafür.
Häufig gestellte Fragen: Handwerksberufe mit Zukunft 2027: Chancen, Gehalt und Meister für Eltern erklärt
Welcher Handwerksberuf hat die beste Zukunft?
Eine seriöse Rangliste gibt es nicht – aber ein klares Muster: Berufe, die die Energiewende umsetzen, gehören laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (Datenjahr 2025) zu den Engpassberufen. Dazu zählen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker SHK, Dachdecker und Zimmerer.
Der Bedarf ist politisch festgelegt: Das Klimaschutzgesetz verlangt Treibhausgasneutralität bis 2045, und bis dahin müssen Heizungen, Dächer und Stromnetze flächendeckend umgebaut werden.
Ebenso wichtig wie der Bedarf ist aber, dass der Beruf zu Ihrem Kind passt – ein Elektroniker, der Mathematik hasst, hat trotz Engpass keine gute Zukunft. Was die Gewerke verdienen, steht in Handwerk: Ausbildung mit Zukunft.
Wie viel verdient man im Handwerk?
In der Ausbildung mindestens 724 Euro im ersten Jahr – das ist die gesetzliche Mindestvergütung für Verträge mit Beginn 2026; die tatsächlichen Sätze liegen meist darüber. Die BIBB-Erhebung 2024 weist für das Tischlerhandwerk 771 Euro im ersten Jahr aus, für Maurer 1.536 Euro im dritten. Für Gesellen gibt es keinen bundesweiten Durchschnitt, sondern Tarifverträge je Gewerk und Region – im Bauhauptgewerbe etwa 23,97 Euro pro Stunde seit dem 1. April 2026. Entscheidend ist die Tarifbindung: Bau, Elektro und Dachdecker haben allgemeinverbindliche Tarifverträge, viele andere Gewerke nicht. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen das tariflich Übliche um höchstens 20 Prozent unterschreiten (§ 17 Abs. 4 BBiG). Verlassen Sie sich deshalb nicht auf Zahlen aus Stellenanzeigen, sondern fragen Sie im Vorstellungsgespräch direkt: „Zahlen Sie nach Tarif?"
Braucht man Abitur für eine Handwerksausbildung?
Nein. Das Berufsbildungsgesetz schreibt für keine duale Ausbildung einen bestimmten Schulabschluss vor – wer Auszubildender werden darf, richtet sich nach § 1 und § 4 BBiG, nicht nach dem Zeugnis.
Nach ZDH-Statistik hatten 2024 etwa 16 Prozent der neuen Auszubildenden im Handwerk eine Studienberechtigung, 43 Prozent einen Realschulabschluss und rund ein Drittel einen Hauptschulabschluss.
Betriebe achten in technischen Gewerken auf Mathematik und Physik, in gestaltenden auf Sorgfalt und räumliches Denken. Abiturientinnen und Abiturienten können in vielen Gewerken die Ausbildung verkürzen und werden von Betrieben, die Nachfolger suchen, gezielt angesprochen. Wie die Aussichten im Handwerk sind, steht in Handwerk: Ausbildung mit Zukunft.
Kann man im Handwerk Karriere machen?
Ja – über Meister, Techniker, Betriebswirt des Handwerks oder ein Studium ohne Abitur, und die Wege sind staatlich gefördert. Der Meister ist im DQR auf Niveau 6 eingeordnet, derselben Stufe wie ein Bachelor, und darf seit 2020 den Zusatz „Bachelor Professional" führen. Das Aufstiegs-BAföG übernimmt Lehrgangs- und Prüfungskosten bis 15.000 Euro zur Hälfte als Zuschuss und erlässt bei bestandener Prüfung weitere 50 Prozent des Restdarlehens. In den 53 zulassungspflichtigen Gewerken ist der Meister zudem der Schlüssel zum eigenen Betrieb – und viele Betriebe suchen in den nächsten Jahren einen Nachfolger.
Ist Handwerk körperlich zu anstrengend?
Das hängt vom Gewerk ab – Dachdecker, Zimmerer und Maurer arbeiten draußen und heben schwer, Elektroniker, Kfz-Mechatroniker oder Augenoptiker deutlich weniger. Ein Praktikum zeigt in zwei Wochen mehr als jede Beschreibung.
Für Jugendliche gelten dabei strengere Regeln als für Erwachsene: Gefährliche Arbeiten – Hitze, Lärm, Gefahrstoffe, Akkordarbeit – sind unter 18 verboten oder nur unter Aufsicht erlaubt (§§ 22 und 23 JArbSchG). Die Berufsgenossenschaften schreiben Hebehilfen, Schutzausrüstung und Vorsorgeuntersuchungen vor. Alle Regeln für Minderjährige stehen in Jugendarbeitsschutzgesetz in der Ausbildung.
Und viele Gewerke bieten mit dem Meister oder Techniker den Wechsel von der Baustelle in Planung und Büro. Wer mit 17 Dachdecker wird, muss mit 55 nicht mehr auf dem Dach stehen – aber er sollte den Weg dorthin bewusst planen.
Lohnt sich der Meister finanziell?
Meistens ja – wegen der Förderung und weil der Meister in 53 Gewerken die Voraussetzung für den eigenen Betrieb ist. Eine feste Gehaltsdifferenz zum Gesellen lässt sich seriös nicht nennen.
Die Rechnung sieht so aus:
- Aufstiegs-BAföG: Kurs- und Prüfungskosten bis 15.000 Euro werden zur Hälfte bezuschusst.
- Bei Bestehen entfallen weitere 50 Prozent des verbleibenden Darlehens.
- Meisterprämien einzelner Länder kommen dazu, etwa 3.000 Euro in Bayern und 3.500 Euro in Hessen (Stand 2026).
Der Eigenanteil ist damit oft niedriger als die Kosten eines Studienjahres. Was der Meister danach einbringt, hängt davon ab, ob Ihr Kind angestellt bleibt, einen Betrieb übernimmt oder gründet – und diese Wahl hat es mit dem Brief in der Hand selbst. Weitere Aufstiegswege: Berufe ohne Studium mit gutem Gehalt.
Übersicht zum Thema: Berufe mit Zukunft 2027: 10 Ausbildungsberufe mit guten Aussichten