Bewerbung & Praktikum
Lebenslauf für die Ausbildung 2027: Aufbau, Vorlage und was Eltern beim Korrekturlesen prüfen
Ein Lebenslauf für die Ausbildung passt auf eine Seite und braucht fünf Blöcke. Was hineingehört, was nicht – und warum Ihr Kind ihn selbst schreiben muss.
Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am
Ein Lebenslauf für die Ausbildungsbewerbung ist eine Seite lang, tabellarisch, ohne Lücken und ohne Fehler – und er wird von Ihrem Kind geschrieben, nicht von Ihnen. Er enthält fünf Blöcke: persönliche Daten, Schulbildung, Praktika und Nebenjobs, Kenntnisse, Interessen. Kein Foto ist Pflicht (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz), keine Angaben zu Religion, Eltern oder Geschwistern, keine Schulnoten – die stehen im beigefügten Zeugnis. Was Ausbilder wirklich lesen, sind die Praktika und die Interessen: Sie zeigen, ob der Bewerber den Beruf kennt und ob er zum Betrieb passt. Dieser Ratgeber zeigt den Aufbau Block für Block, die häufigsten Fehler und die Grenze zwischen Korrekturlesen und Übernehmen.
Wie wichtig ist der Lebenslauf für die Ausbildungsbewerbung?
Der Lebenslauf ist das Dokument, das Ausbilder zuerst und am längsten lesen – vor dem Anschreiben, das viele nur überfliegen. Bei zehn Bewerbungen auf einen Platz entscheidet er, wer zum Gespräch eingeladen wird. Bei Betrieben, die dringend Azubis suchen, entscheidet er, ob der Bewerber ernst genommen wird: Ein Lebenslauf mit falschem Datum, fehlendem Praktikum und Tippfehler im eigenen Namen kostet auch dort die Einladung.
Was Ausbilder in 30 Sekunden prüfen: Stimmen Abschluss und Zeitpunkt? Gibt es ein Praktikum, das zum Beruf passt? Ist der Lebenslauf lückenlos und ordentlich? Passt irgendetwas an der Person zum Betrieb – ein Hobby, ein Ehrenamt, ein Nebenjob? Alles andere ist Beiwerk.
Wie ist ein Lebenslauf für Schüler aufgebaut?
Tabellarisch, eine Seite, chronologisch – bei Schülern von alt nach neu oder umgekehrt, beides ist üblich. Die fünf Blöcke:
1. Persönliche Daten. Vor- und Nachname, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und -ort. Optional: Staatsangehörigkeit. Nicht hinein gehören Religion, Familienstand, Beruf der Eltern, Geschwister. Die E-Mail-Adresse sollte aus dem Namen bestehen – „sweetgirl2011@…" ist der häufigste vermeidbare Fehler.
2. Schulbildung (schulischer Werdegang). Schule, Ort, Zeitraum, angestrebter oder erreichter Abschluss mit Datum („Mittlerer Schulabschluss, voraussichtlich Juni 2027"). Die Grundschule kann weg. Ein Schulwechsel oder eine Wiederholung wird mit Zeitraum genannt, nicht erklärt.
3. Praktische Erfahrungen. Schülerpraktika mit Betrieb, Ort, Zeitraum und zwei bis drei Tätigkeiten („Kfz-Werkstatt Müller, Siegen, 2 Wochen im März 2026: Reifenwechsel, Ölwechsel, Kundenfahrzeuge vorbereiten"). Dazu Nebenjobs (Zeitungen austragen, Kellnern), Ehrenamt (Jugendfeuerwehr, Trainer im Verein, Schulsanitätsdienst) und Schulfunktionen (Klassensprecher, Streitschlichter). Dieser Block ist der wichtigste – und bei den meisten Schülern der leerste. Wer nichts hat, sollte vor der Bewerbung ein Praktikum organisieren; wie, steht in Schülerpraktikum finden.
4. Kenntnisse. Sprachen mit Niveau (Deutsch Muttersprache, Englisch gut, Türkisch fließend), Computerkenntnisse konkret (Word, Excel, Canva, ein CAD-Programm aus dem Technikunterricht), Führerschein oder Mofa-Prüfbescheinigung, Erste-Hilfe-Kurs, Jugendleiter-Card.
5. Interessen. Zwei bis vier Hobbys, konkret und ehrlich. „Sport" sagt nichts, „Handball im Verein seit 2019, Jugendmannschaft" sagt Teamfähigkeit und Ausdauer. Gaming kann stehen, wenn es konkret wird („Aufbau eines Minecraft-Servers für 20 Spieler"). Was Hobbys über Berufe verraten, zeigt Hobbys in den Beruf umwandeln.
Unter den Blöcken: Ort, Datum, Unterschrift – bei digitaler Bewerbung eingescannt oder eingetippt, aber vorhanden.
Braucht mein Kind ein Bewerbungsfoto?
Nein. Seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (2006) darf kein Betrieb ein Foto verlangen, und viele große Unternehmen bitten ausdrücklich darum, keins zu schicken. Trotzdem ist ein Foto in kleinen und mittleren Betrieben immer noch üblich und wirkt dort meist positiv. Empfehlung: Ein Foto beilegen, wenn es professionell ist – Fotograf oder gutes Tageslichtporträt, neutraler Hintergrund, Kleidung, die zum Beruf passt –, und weglassen, wenn nur ein Schnappschuss da ist. Das Foto gehört oben rechts in den Lebenslauf oder auf ein Deckblatt, nie ins Anschreiben.
Was sind die häufigsten Fehler im Schüler-Lebenslauf?
- Rechtschreib- und Tippfehler – vor allem im Namen des Betriebs und in der eigenen Anschrift. Ausbilder werten das als Sorgfalt, nicht als Deutschnote.
- Lücken ohne Angabe. Ein Schuljahr, das fehlt, fällt sofort auf. Lieber „Schuljahr 2024/25: Wiederholung der 9. Klasse" als gar nichts.
- Leere Blöcke. Wer keine Praktika hat, sollte den Block nicht weglassen, sondern füllen – mit Tagespraktika, Ehrenamt, Nebenjob.
- Unpassende E-Mail-Adresse oder Anrufbeantworter. Der Betrieb ruft an; die Mailbox sollte den Namen nennen, nicht einen Witz.
- Vorlage erkennbar. Ein Lebenslauf aus dem Generator mit fremden Formulierungen („eigenverantwortliche Projektsteuerung") wirkt bei einem 16-Jährigen falsch. Einfache Sprache ist richtig.
- Elternhandschrift. Anschreiben und Lebenslauf, die erkennbar von Erwachsenen stammen, führen zu der Frage, ob der Bewerber selbst will. Die Grenze zieht Bewerbung für die Ausbildung: So helfen Eltern richtig.
- Widersprüche zum Zeugnis. Wer „Englisch sehr gut" schreibt und eine Vier im Zeugnis hat, verliert Glaubwürdigkeit. Lieber „Englisch gut, Austausch nach England 2025".
- Zu lang. Zwei Seiten sind bei Schülern immer ein Fehler.
Was gehört in den Lebenslauf ohne Berufserfahrung?
Alles, was zeigt, dass Ihr Kind Verantwortung übernommen, durchgehalten oder etwas gebaut hat – und das haben fast alle Jugendlichen, sie nennen es nur nicht so:
- Der Nebenjob beim Bäcker: Frühaufstehen, Kundenkontakt, Kasse.
- Das Ehrenamt in der Jugendfeuerwehr, im Verein, in der Kirchengemeinde: Teamarbeit, Zuverlässigkeit.
- Die Nachhilfe für den Nachbarsjungen: Erklären können, Geduld.
- Das Reparieren des eigenen Fahrrads, PCs, Mopeds: technisches Interesse – gehört als Hobby hinein, wenn Ihr Kind sich auf einen technischen Beruf bewirbt.
- Der Schulsanitätsdienst, die Streitschlichtung, die Schülerzeitung, die Klassensprecherwahl.
- Eine Sprache, die zu Hause gesprochen wird.
Was nicht hineingehört: Charakterbeschreibungen („Ich bin zuverlässig und teamfähig") – die belegt der Lebenslauf durch Fakten, nicht durch Behauptungen. Wenn Sie und Ihr Kind unsicher sind, welche Stärken es hat, hilft vorher Stärken des Kindes herausfinden.
Wie helfen Eltern beim Lebenslauf – ohne ihn zu schreiben?
Vorher: Sammeln Sie gemeinsam die Fakten – Daten, Zeiträume, Praktika, Hobbys. Viele Jugendliche vergessen die Hälfte, weil sie sie nicht für erwähnenswert halten. Ein Zettel mit allem, was in den letzten fünf Jahren war, ist die beste Vorarbeit.
Währenddessen: Nicht. Ihr Kind schreibt am Computer, in eigener Sprache, in einer schlichten Vorlage (die Textverarbeitung reicht; aufwendige Designs lenken ab). Wenn es hängt, fragen Sie – „Was hast du beim Praktikum eigentlich den ganzen Tag gemacht?" –, statt zu diktieren.
Nachher: Sie lesen Korrektur wie ein Lektor: Rechtschreibung, Daten, Lücken, Widersprüche zum Zeugnis, E-Mail-Adresse. Sie ändern keine Formulierungen, die richtig, aber nicht Ihr Stil sind. Und Sie fragen die drei Ausbilderfragen: Passt ein Praktikum zum Beruf? Ist der Lebenslauf lückenlos? Gibt es etwas Persönliches, das zum Betrieb passt?
Das Anschreiben gehört bei den meisten Betrieben noch dazu, ist aber kürzer als früher: eine halbe bis eine Seite mit drei Inhalten – warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, was Ihr Kind mitbringt. Bei Online-Portalen großer Unternehmen entfällt es oft. Beide Dokumente werden als eine PDF-Datei verschickt, benannt nach dem Muster „Bewerbung_Nachname_Vorname.pdf".
Nach dem Lebenslauf kommt die Einladung – und das nächste Thema: Vorstellungsgespräch für die Ausbildung: Tipps für Eltern. Zum Üben gibt es auf jobfari die Interview-Übung, die Ihr Kind allein durchgehen kann.
Häufig gestellte Fragen: Lebenslauf für die Ausbildung 2027: Aufbau, Vorlage und was Eltern beim Korrekturlesen prüfen
Was gehört in einen Lebenslauf für die Ausbildungsbewerbung?
Fünf Blöcke auf einer Seite, dazu Ort, Datum und Unterschrift:
- Persönliche Daten: Name, Anschrift, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum.
- Schulbildung mit angestrebtem Abschluss.
- Praktika und Nebenjobs mit Tätigkeiten – der wichtigste Block, weil er dem Ausbilder zeigt, dass Ihr Kind den Beruf kennt.
- Kenntnisse: Sprachen, Computer, Führerschein.
- Interessen: zwei bis vier, konkret.
Nicht hinein gehören Religion, Familienstand, Beruf der Eltern, Schulnoten (die stehen im Zeugnis) und Charakterbeschreibungen. Das ist keine Stilfrage: Religion, Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Alter und sexuelle Identität sind die sechs Merkmale, wegen derer nach § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes niemand benachteiligt werden darf. Ein Foto ist freiwillig. Wie die ganze Bewerbung aussieht, steht in Bewerbung für die Ausbildung.
Braucht mein Kind ein Bewerbungsfoto im Lebenslauf?
Nein – ein Foto ist freiwillig, und große Unternehmen bitten oft ausdrücklich darum, keins zu senden.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Fotos nicht, aber es verbietet die Benachteiligung wegen Herkunft, Geschlecht, Alter oder Behinderung (§ 1 AGG) – und genau diese Merkmale verrät ein Foto. Viele Betriebe verzichten deshalb darauf, um sich gar nicht erst dem Vorwurf auszusetzen. In kleinen und mittleren Betrieben ist ein Foto dagegen nach wie vor üblich und wirkt meist positiv.
Die Regel: Wenn, dann ein professionelles Foto – vom Fotografen oder ein gutes Tageslichtporträt vor neutralem Hintergrund in berufsangemessener Kleidung. Ein Schnappschuss schadet mehr, als gar kein Foto nützt. Platz: oben rechts im Lebenslauf oder auf einem Deckblatt.
Wie lang sollte der Lebenslauf eines Schülers sein?
Eine Seite – ohne Ausnahme. Ein Schüler hat noch keine Berufserfahrung, die zwei Seiten rechtfertigen würde, und Ausbilder überfliegen den Lebenslauf zuerst. In Deutschland ist die tabellarische Form Standard, anders als der ausformulierte Lebenslauf in manchen anderen Ländern.
Reicht die Seite nicht, ist meist die Formatierung das Problem – zu große Schrift, zu viel Abstand – oder es stehen Dinge darin, die nicht hineingehören, etwa die Grundschule oder Charakterbeschreibungen.
Bleibt die Seite dagegen halb leer, fehlen Praktika, Nebenjobs oder Ehrenamt – das ist der Hinweis, vor der Bewerbung noch etwas zu unternehmen. Wie man einen Praktikumsplatz findet, steht in Schülerpraktikum finden.
Wie gehe ich mit schlechten Noten im Lebenslauf um?
Gar nicht – Noten gehören nicht in den Lebenslauf, sondern ins beigefügte Zeugnis, und dort sieht der Ausbilder sie ohnehin.
Was Ihr Kind tun kann: im Lebenslauf zeigen, was gegen die Note spricht – ein Praktikum im Beruf, ein Nebenjob, ein Ehrenamt, ein Hobby mit Bezug zum Beruf.
Ist die Note im entscheidenden Fach schlecht, etwa Mathematik beim Elektroniker, gehört ein ehrlicher Satz ins Anschreiben oder Vorstellungsgespräch: „In Mathe hatte ich eine Vier, deshalb habe ich seit Januar Nachhilfe und im letzten Test eine Drei.“ Das wirkt besser als jede Ausrede.
Viele Betriebe haben Plätze frei – zum 30. September 2025 waren rund 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt – und achten deshalb stärker auf Interesse und Zuverlässigkeit. Wie Ihr Kind das im Gespräch zeigt, steht in Vorstellungsgespräch für die Ausbildung.
Soll mein Kind den Lebenslauf für jede Bewerbung anpassen?
Den Kern nicht, die Reihenfolge und die Details ja. Daten, Schule und Praktika bleiben; angepasst werden:
- die Tätigkeiten im Praktikum – beim Kfz-Betrieb die Werkstatttage betonen, beim Büroberuf die Verwaltungstage,
- die Kenntnisse – Computerprogramme für Büroberufe, technische Hobbys für Handwerksberufe,
- die Interessen.
Welche Tätigkeiten zu einem Beruf gehören, steht in BERUFENET, der Berufsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit – dort lassen sich die passenden Begriffe übernehmen. Fünf Minuten pro Bewerbung reichen.
Was sich auf jeden Fall ändern muss, ist das Datum: Ein Lebenslauf vom Vorjahr fällt auf. Wie das Anschreiben dazu passt, steht in Bewerbung für die Ausbildung.
Welche Rolle spielen Hobbys im Schüler-Lebenslauf?
Eine größere als bei Erwachsenen – bei Bewerbern ohne Berufserfahrung sind Hobbys oft der einzige Hinweis auf Persönlichkeit und Eignung. Sie zählen, wenn sie konkret sind und etwas belegen:
- Vereinssport seit Jahren – Ausdauer, Team,
- Musikinstrument – Disziplin,
- Jugendfeuerwehr oder Trainertätigkeit – Verantwortung,
- Modellbau oder PC-Basteln – technisches Interesse,
- Zeichnen – Gestaltung.
Zwei bis vier Angaben mit Jahreszahl oder Funktion reichen. Weglassen sollte Ihr Kind alles, worüber es im Gespräch nicht fünf Minuten reden könnte – danach wird gefragt.
Ein Nebenjob gehört in den Block Praktika, nicht zu den Hobbys. Dabei gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz: Solange Ihr Kind vollzeitschulpflichtig ist, sind höchstens zwei Stunden täglich erlaubt und nicht vor dem Unterricht (§ 5 Abs. 3 JArbSchG), in den Ferien vier Wochen im Kalenderjahr in Vollzeit (§ 5 Abs. 4).
Welche Fehler sollten im Lebenslauf unbedingt vermieden werden?
Die meisten Fehler sind vermeidbar und fallen sofort auf:
- Tippfehler im Namen des Betriebs oder in der eigenen Anschrift,
- unerklärte Lücken,
- eine unpassende E-Mail-Adresse,
- Formulierungen, die erkennbar von Eltern oder aus einem Generator stammen,
- Widersprüche zum Zeugnis,
- mehr als eine Seite,
- fehlende Unterschrift und fehlendes Datum,
- ein Schnappschuss als Foto.
Prüfen Sie beim Korrekturlesen genau diese Punkte – und lassen Sie den Rest, auch wenn Sie ihn anders formuliert hätten. Ein Lebenslauf in der Sprache eines 16-Jährigen ist richtig; einer in der Sprache seiner Eltern ist verdächtig.
Bei Bewerbern unter 18 kommt ein formaler Punkt dazu, der oft vergessen wird: Ohne die ärztliche Erstuntersuchung nach § 32 JArbSchG darf der Betrieb später gar nicht beschäftigen. Der Termin gehört in den Kalender, sobald die erste Zusage kommt – mehr in Erster Tag in der Ausbildung.
Übersicht zum Thema: Bewerbung für die Ausbildung 2027: Wie Eltern helfen – und wo die Grenze liegt