Orientierung & Berufswahl

Kind will Influencer werden 2027: Was Eltern wissen müssen

Influencer ist kein Ausbildungsberuf, aber fünf anerkannte Berufe nutzen dieselben Fähigkeiten. Was rechtlich gilt, sobald Geld oder Produkte fließen.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Wenn Ihr Kind Influencer werden will, steckt dahinter fast immer ein echtes Interesse an Gestaltung, Sprache oder Publikum – nur ist „Influencer" kein Beruf, sondern eine Vertriebsform. Es gibt keine Ausbildung dafür, keine Kammer, keinen Abschluss. Was es gibt, sind anerkannte Ausbildungsberufe, in denen dieselben Fähigkeiten gebraucht werden – und Regeln, die schon für Minderjährige gelten, sobald Geld fließt. Dieser Ratgeber zeigt beides: den rechtlichen Rahmen und die Berufe, die aus dem Wunsch etwas Tragfähiges machen.

Was rechtlich gilt, sobald Geld fließt

Der Punkt, an dem aus einem Hobby eine Tätigkeit wird, ist nicht die erste Zusammenarbeit mit einer Marke, sondern die erste Einnahme.

  • Werbung muss gekennzeichnet sein. Bezahlte oder mit Gegenleistung verbundene Inhalte sind als Werbung zu kennzeichnen. Fehlende Kennzeichnung ist abmahnfähig, und das gilt unabhängig vom Alter.
  • Einnahmen sind steuerpflichtig. Auch Sachzuwendungen – geschenkte Produkte, Reisen, Technik – zählen als Einnahme. Ab einer gewissen Regelmäßigkeit liegt eine gewerbliche Tätigkeit vor, die beim Gewerbeamt anzumelden ist.
  • Minderjährige brauchen die Eltern. Verträge unter 18 sind nach § 107 BGB zustimmungspflichtig. Sie unterschreiben mit – und haften mit.
  • Das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt auch hier, wenn die Tätigkeit den Charakter von Arbeit annimmt.

Praktisch heißt das: Solange nichts fließt, ist es ein Hobby wie jedes andere. Sobald etwas fließt, sind Sie beteiligt, ob Sie wollen oder nicht.

Die Berufe, in denen dieselben Fähigkeiten gebraucht werden

Was Ihr Kind reiztAnerkannter Ausbildungsberuf
Videos schneiden, Bild und TonMediengestalter Bild und Ton
Gestaltung, Layout, GrafikMediengestalterin Digital und Print
Kampagnen, Marken, TexteKaufmann für Marketingkommunikation
Reichweite, Zahlen, KanäleKaufmann im E-Commerce
Bühne, Technik, ProduktionFachkraft für Veranstaltungstechnik

Das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe des BIBB führt 325 duale Berufe – die fünf oben sind die, die dem Wunsch am nächsten kommen. Alle fünf bringen Vergütung, Sozialversicherung und einen Abschluss, der bleibt, wenn eine Plattform verschwindet.

Der Unterschied zum Influencer-Dasein ist nicht der Inhalt, sondern die Absicherung: Wer als Mediengestalterin arbeitet, produziert dieselben Formate – nur bezahlt ein Arbeitgeber, nicht ein Algorithmus.

Ähnlich gelagert sind Kind will YouTuber werden und Kind will Gamer werden. Wie Sie generell mit Wünschen umgehen, die unerreichbar wirken: Berufswunsch unrealistisch.

Was Sie konkret tun können

Nicht verbieten. Ein Verbot macht die Sache attraktiver und verlagert sie aus Ihrem Blickfeld – auf ein Zweitkonto, von dem Sie nichts erfahren.

Mitmachen, wo es sinnvoll ist. Konto gemeinsam einrichten, Privatsphäre-Einstellungen zusammen durchgehen, Kommentare zusammen anschauen. Das schafft Zugang, den Sie später brauchen.

Drei Regeln verabreden, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben: keine Schulzeit, kein Wohnort oder Schulname im Bild, kein Vertrag ohne Ihre Unterschrift.

Und die Probe machen. Zwei Wochen Praktikum in einer Agentur oder Produktionsfirma klären mehr über den Berufsalltag als jede Diskussion – und zwar in beide Richtungen.

Häufig gestellte Fragen: Kind will Influencer werden 2027: Was Eltern wissen müssen

Ist Influencer ein anerkannter Beruf?

Nein – es gibt keine Ausbildungsordnung, keine zuständige Kammer und keinen Abschluss. Das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe des BIBB führt 325 duale Berufe, und „Influencer“ steht nicht darunter.

Rechtlich ist die Tätigkeit in der Regel eine Selbstständigkeit: Wer regelmäßig Einnahmen erzielt, meldet ein Gewerbe an, führt Umsatzsteuer ab, sofern er nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällt, und versteuert die Gewinne. Auch Sachzuwendungen zählen dabei als Einnahme, was oft übersehen wird.

Was es dagegen gibt, sind anerkannte Berufe, in denen dieselben Fähigkeiten gebraucht werden:

  • Mediengestalter Bild und Ton,
  • Mediengestalterin Digital und Print,
  • Kaufmann für Marketingkommunikation,
  • Kaufmann im E-Commerce.

Alle vier dauern drei Jahre, bringen ab dem ersten Tag Vergütung und Sozialversicherung und lassen sich mit einem eigenen Kanal verbinden. Der Abschluss bleibt auch dann, wenn eine Plattform ihre Regeln ändert. Welche Berufe kreativ Arbeitende sonst wählen, zeigt Kreative Berufe mit Ausbildung.

Mehr zur Frage: Ist Influencer ein anerkannter Beruf?

Wie viel verdienen Influencer wirklich?

Die meisten verdienen wenig – und die sichtbaren Ausnahmen verzerren das Bild. Die Einnahmen verteilen sich sehr ungleich: Ein kleiner Teil erzielt hohe Summen, viele bleiben unter dem, was ein Minijob einbringt.

Zum Vergleich, den Ihr Kind selbst rechnen kann: Ein Minijob bringt nach § 8 Abs. 1a SGB IV bis 603 Euro im Monat, ab Januar 2027 bis 633 Euro, bei einem Mindestlohn von 13,90 beziehungsweise 14,60 Euro je Stunde – zuverlässig, planbar und in der Regel mit Rentenansprüchen.

Einnahmen aus Reichweite schwanken dagegen und sind nicht abgesichert:

  • keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,
  • kein Urlaubsanspruch,
  • keine Arbeitslosenversicherung.

Wer davon leben will, braucht deshalb nicht nur Reichweite, sondern ein Unternehmen – mit Steuerberatung, Rücklagen und Verträgen. Das ist der Teil, den die sichtbaren Vorbilder nicht zeigen. Welche Ausbildungen dieselben Fähigkeiten nutzen, zeigt Kreative Berufe mit Ausbildung.

Mehr zur Frage: Wie viel verdienen Influencer wirklich?

Soll ich meinem Kind verbieten, Social-Media-Inhalte zu erstellen?

Nein – ein Verbot verlagert die Sache aus Ihrem Blickfeld, statt sie zu beenden. Jugendliche, denen das Erstellen untersagt wird, legen in aller Regel ein Zweitkonto an, von dem die Eltern nichts wissen; damit verlieren Sie genau den Einblick, den Sie brauchen.

Wirksamer sind drei Regeln, die den Inhalt nicht bewerten:

  • Keine Veröffentlichung während der Schulzeit.
  • Keine Hinweise auf Wohnort, Schule oder Tagesablauf im Bild.
  • Kein Vertrag ohne Ihre Unterschrift – bei Minderjährigen ohnehin gesetzlich so, weil § 107 BGB die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter verlangt.

Nützlich ist außerdem, die Privatsphäre-Einstellungen gemeinsam durchzugehen und sich zeigen zu lassen, was veröffentlicht wird. Das kostet eine halbe Stunde und ersetzt monatelange Kontrolle. Und eine Grenze gibt es, an der Eingreifen richtig ist: Wenn Kommentare belasten, der Schlaf leidet oder die Schule einbricht, ist das kein Medienthema mehr, sondern ein gesundheitliches.

Mehr zur Frage: Soll ich meinem Kind verbieten, Social-Media-Inhalte zu erstellen?

Welche Ausbildung ist die beste Alternative zum Influencer-Dasein?

Es gibt nicht die eine – aber fünf, die dieselben Fähigkeiten brauchen, und die Wahl hängt daran, was Ihr Kind konkret reizt:

  • Videos, Schnitt und Ton: Mediengestalter Bild und Ton.
  • Gestaltung, Layout und Bildsprache: Mediengestalterin Digital und Print.
  • Marke, Kampagnen und Texte: Kaufmann für Marketingkommunikation.
  • Reichweite, Zahlen und Kanäle: Kaufmann im E-Commerce.
  • Das Live-Erlebnis: Fachkraft für Veranstaltungstechnik.

Alle fünf sind anerkannte Ausbildungsberufe nach dem Berufsbildungsgesetz, dauern drei Jahre und bringen mindestens die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung – für Verträge mit Beginn 2026 sind das nach § 17 Abs. 2 BBiG 724 Euro im ersten Jahr.

Der beste Weg zur Entscheidung ist kein Gespräch, sondern ein zweiwöchiges Praktikum in einer Agentur oder Produktionsfirma. Wie Ihr Kind einen Platz findet, steht in Schülerpraktikum finden.

Mehr zur Frage: Welche Ausbildung ist die beste Alternative zum Influencer-Dasein?

Ab welchem Alter darf mein Kind als Influencer Geld verdienen?

Einnahmen sind in jedem Alter möglich, aber unter 18 sind Sie als Eltern beteiligt – rechtlich und haftungsmäßig.

Nach § 107 BGB brauchen Minderjährige für Verträge die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter; das betrifft Kooperationsverträge, Partnerprogramme und Agenturbindungen gleichermaßen. Ein eigenes Gewerbe kann Ihr Kind unter 18 nur führen, wenn Sie es mit Genehmigung des Familiengerichts dazu ermächtigen (§ 112 BGB).

Steuerlich gibt es keine Altersgrenze: Einkünfte sind unabhängig vom Alter steuerpflichtig, und dazu zählen auch Sachzuwendungen wie geschenkte Produkte oder bezahlte Reisen. Wirkt ein Kind unter 15 auf Bestellung bei Foto- oder Videoaufnahmen mit, braucht das eine Bewilligung der Aufsichtsbehörde (§ 6 JArbSchG); für ältere Jugendliche gelten die Arbeitszeitgrenzen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Praktisch empfiehlt sich:

  • ein getrenntes Konto,
  • eine Ablage aller Einnahmen und Zuwendungen von Anfang an,
  • vor der ersten größeren Kooperation ein Gespräch bei einer Steuerberatung.

Welche Ausbildungen dieselben Fähigkeiten nutzen, zeigt Kreative Berufe mit Ausbildung.

Mehr zur Frage: Ab welchem Alter darf mein Kind als Influencer Geld verdienen?

Wie kann ich mein Kind vor den psychischen Belastungen schützen?

Indem Sie die Belastung benennen, bevor sie eintritt – und indem Sie auf drei Signale achten, die zuverlässiger sind als jedes Gespräch. Die Belastung ist real und besteht aus drei Teilen: öffentliche Bewertung durch Fremde, die ständige Messbarkeit des eigenen Werts in Zahlen, und ein Algorithmus, der Rückzug bestraft. Wer das vorher weiß, erlebt einen Einbruch der Reichweite nicht als persönliches Urteil.

Auf diese drei Signale kommt es an:

  • Der Schlaf leidet, weil abends noch Kommentare gelesen werden.
  • Die Schule bricht ein – messbar, nicht gefühlt.
  • Ihr Kind zieht sich von Freundschaften zurück, die nichts mit dem Kanal zu tun haben.

Treten zwei davon über mehrere Wochen auf, ist das kein Medienthema mehr. Was vorbeugend hilft, ist unspektakulär: Kommentare nur zu festen Zeiten lesen, nie direkt vor dem Schlafengehen; feste Zeiten ohne Handy; und ein Gesprächsangebot, das keine Bewertung enthält. Bleibt die Belastung, ist die Hausarztpraxis der richtige erste Ansprechpartner. Nimmt die Tätigkeit zugleich den Charakter von Arbeit an, greifen ohnehin die Arbeitszeitgrenzen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (§ 8 JArbSchG).

Mehr zur Frage: Wie kann ich mein Kind vor den psychischen Belastungen schützen?

Was tun, wenn mein Kind trotz aller Aufklärung auf dem Influencer-Wunsch beharrt?

Dann lassen Sie den Wunsch stehen und sichern parallel ab – das ist wirksamer als jede weitere Diskussion. Ein Wunsch, der Widerspruch erfährt, wird zur Frage der Selbstbehauptung; ein Wunsch, der geprüft werden darf, hält oder fällt von selbst. Verabreden Sie deshalb Gleichzeitigkeit statt Bedingung: Der Kanal läuft weiter, und parallel beginnt eine Ausbildung, die inhaltlich anschließt – Mediengestaltung, Marketingkommunikation oder E-Commerce. Das ist keine Notlösung, sondern in dieser Branche der übliche Weg: Fast alle, die davon leben, haben eine Grundlage, auf der sie stehen.

Drei Dinge machen die Absicherung tragfähig:

  • Sie passt inhaltlich zum Wunsch. Eine Ausbildung, die nichts mit dem Kanal zu tun hat, wird als Strafe erlebt.
  • Sie bringt eigenes Geld – mindestens 724 Euro im ersten Jahr nach § 17 Abs. 2 BBiG für Verträge mit Beginn 2026.
  • Sie hat ein Enddatum. Zwei bis drei Jahre sind überschaubar, eine offene Frist ist es nicht.

Und wenn der Kanal in dieser Zeit wächst, hat Ihr Kind mit dem Abschluss genau die Qualifikation, die Agenturen und Marken bei einer Zusammenarbeit voraussetzen.

Mehr zur Frage: Was tun, wenn mein Kind trotz aller Aufklärung auf dem Influencer-Wunsch beharrt?

Übersicht zum Thema: Berufsorientierung 2027: 10 Tipps, wie Eltern ihr Kind wirklich unterstützen