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Pflegeausbildung 2027: Lohnt sie sich für mein Kind? Die Fakten für Eltern

Die Pflegeausbildung ist die am besten bezahlte Deutschlands: 1.490,69 Euro im ersten Jahr. Was dafür verlangt wird und was sich 2027 grundlegend ändert.

Von Leonard Döppeler · Zuletzt aktualisiert am

Die Pflegeausbildung ist die am besten bezahlte Ausbildung Deutschlands: Nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVAöD, Besonderer Teil Pflege) erhalten Auszubildende seit dem 1. Mai 2026 monatlich 1.490,69 Euro im ersten, 1.552,07 Euro im zweiten und 1.653,38 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Zum Vergleich: Der Durchschnitt über alle Ausbildungsberufe lag 2025 laut BIBB bei 1.209 Euro. Dazu kommt ein Arbeitsmarkt, auf dem Pflege seit Jahren an der Spitze der Engpassberufe steht – laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit für das Datenjahr 2025 sind Pflege- und Gesundheitsberufe weiterhin die Berufsgruppen mit dem stärksten Fachkräftemangel. Und ab dem 1. Januar 2027 kommt mit der bundeseinheitlichen Pflegefachassistenz ein zweiter, kürzerer Einstieg dazu. Die ehrliche Gegenrechnung steht in diesem Ratgeber genauso: Schichtdienst, körperliche und seelische Belastung, und die Frage, ob Ihr Kind das mit 16 schon einschätzen kann.

Was lernt mein Kind in der Pflegeausbildung?

Seit 2020 gibt es die generalistische Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Sie ersetzt die früheren drei getrennten Ausbildungen (Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Altenpflege) durch einen gemeinsamen Abschluss, der in allen Bereichen gilt – und in der ganzen EU anerkannt ist.

Der Aufbau nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG):

Umfang
Dauer3 Jahre in Vollzeit, bis zu 5 Jahre in Teilzeit (§ 6 PflBG)
Theorie an der Pflegeschule2.100 Stunden
Praxis in Einrichtungen2.500 Stunden
EinsatzorteKrankenhaus, stationäre Langzeitpflege, ambulante Pflege, Pädiatrie, Psychiatrie
AbschlussPflegefachfrau / Pflegefachmann, EU-weit anerkannt

Nach zwei Dritteln der Ausbildung kann Ihr Kind wählen: den generalistischen Abschluss weiterführen – das ist der Regelfall und öffnet alle Türen – oder einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege beziehungsweise Kinderkrankenpflege machen. Raten Sie zur Generalistik: Der gesonderte Abschluss schränkt die spätere Auswahl ein.

Was das Schulgeld angeht: Die Pflegeausbildung ist für Ihr Kind kostenfrei, auch an privaten Schulen – das Pflegeberufegesetz verbietet Schulgeld ausdrücklich.

Was verdient mein Kind – und was kommt danach?

Die Vergütung in der Ausbildung ist der stärkste Punkt und gleichzeitig der am wenigsten bekannte:

AusbildungsjahrTVAöD Pflege, ab 1. Mai 2026
1. Jahr1.490,69 €
2. Jahr1.552,07 €
3. Jahr1.653,38 €

Diese Beträge gelten für Einrichtungen, die den TVAöD anwenden – kommunale Krankenhäuser, viele Kliniken, zahlreiche Pflegeeinrichtungen. Kirchliche Träger zahlen nach eigenen Tarifen (AVR) in ähnlicher Höhe. Private Einrichtungen ohne Tarifbindung dürfen die branchenübliche Tarifvergütung um höchstens 20 Prozent unterschreiten (§ 17 Abs. 4 BBiG) und müssen mindestens die gesetzliche Mindestvergütung zahlen – 2026 sind das 724 Euro im ersten Jahr. Fragen Sie deshalb vor der Unterschrift nach dem Tarif. Der Unterschied über drei Jahre liegt schnell im fünfstelligen Bereich.

Nach der Ausbildung gilt für Pflegeeinrichtungen seit September 2022 die Tariftreuepflicht: Sie dürfen nur noch zur Pflegeversicherung zugelassen werden, wenn sie ihre Pflegekräfte nach Tarif oder mindestens in tariflicher Höhe bezahlen. Das hat die Einstiegsgehälter deutlich angehoben. Einen bundesweiten Durchschnitt nennen wir hier bewusst nicht – er schwankt zu stark nach Träger, Region und Schichtzulagen. Was Sie tun können: den Tarifvertrag der konkreten Einrichtung erfragen.

Die Einordnung gegenüber anderen Ausbildungsberufen zeigt Ausbildungsvergütung: Übersicht und Gut bezahlte Ausbildungsberufe.

Was ändert sich 2027 mit der Pflegefachassistenz?

Zum 1. Januar 2027 tritt das Pflegefachassistenzgesetz in Kraft und schafft erstmals eine bundeseinheitliche Ausbildung zur Pflegefachassistenz – bisher gab es rund 27 verschiedene Landesregelungen mit unterschiedlichen Namen und Anerkennungen.

Pflegefachassistenz (ab 2027)Pflegefachfrau/-mann
Dauer18 Monate (Regel)3 Jahre
Zugangin der Regel Hauptschulabschlussmittlerer Abschluss oder Hauptschulabschluss plus abgeschlossene Ausbildung
Anerkennungbundesweit einheitlichbundesweit und EU-weit
AnschlussAnrechnung auf die dreijährige Ausbildung möglichStudium, Fachweiterbildung, Leitung

Für Familien ist das eine echte Neuerung: Ein Kind, das sich die dreijährige Ausbildung nicht zutraut oder den Schulabschluss dafür nicht hat, kann in 18 Monaten einen anerkannten Abschluss erreichen – und später aufstocken. Wenn Ihr Kind 2027 startet, lohnt die Frage an die Pflegeschule, wie sie die Anrechnung handhabt.

Welche Voraussetzungen braucht mein Kind?

  • Schulabschluss: mittlerer Schulabschluss – oder Hauptschulabschluss plus eine mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung (§ 11 PflBG). Für die Pflegefachassistenz genügt in der Regel der Hauptschulabschluss.
  • Mindestalter: keines im Gesetz. Praktisch nehmen Einrichtungen Bewerber ab 16, wobei für Minderjährige das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt – kein Nachtdienst, höchstens 8 Stunden am Tag, geregelte Pausen. Alle Regeln in Jugendarbeitsschutzgesetz für Azubis.
  • Gesundheitszeugnis und Masernschutznachweis.
  • Kein Numerus clausus, keine Bestnoten nötig. Pflegeschulen achten auf Zuverlässigkeit, Belastbarkeit und Umgang mit Menschen – das zeigt sich im Praktikum, nicht im Zeugnis.

Ein Praktikum vor der Bewerbung ist hier wichtiger als in fast jedem anderen Beruf. Zwei Wochen auf einer Station zeigen, was kein Gespräch vermittelt. Wo Sie einen Platz finden, steht in Schülerpraktikum finden.

Die ehrliche Gegenrechnung: Was spricht dagegen?

Wer nur die Vergütung sieht, übersieht die Belastung. Der DGB-Ausbildungsreport 2026, vorgestellt am 20. August 2026 auf Basis einer Befragung von 13.227 Auszubildenden, zeigt für alle Berufe: 35,4 Prozent leisten regelmäßig Überstunden, 50,6 Prozent berichten von psychischen Belastungen – am häufigsten wegen Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel und hoher Verantwortung. In der Pflege liegen diese Werte erfahrungsgemäß über dem Durchschnitt.

Konkret heißt das für Ihr Kind:

  • Schichtdienst, in vielen Einrichtungen auch am Wochenende und an Feiertagen – mit 18 auch nachts.
  • Körperliche Arbeit: heben, umlagern, lange stehen.
  • Seelische Belastung: Sterben, Angehörigengespräche, Verantwortung für Menschen.
  • Personalmangel kann bedeuten, dass Ihr Kind früher Verantwortung trägt, als ihm lieb ist.

Was dagegen hilft, ist die Wahl der Einrichtung: Gibt es feste Praxisanleiter? Wie viele Azubis pro Station? Gibt es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung? Der DGB-Report zeigt, dass die Zufriedenheit mit betrieblicher Interessenvertretung von 65,7 auf 75,7 Prozent steigt. Wenn Ihr Kind in der Ausbildung in Schwierigkeiten gerät, hilft Kind in der Ausbildung überfordert.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Die Pflege ist einer der durchlässigsten Berufe überhaupt:

  • Fachweiterbildungen – Intensivpflege, Anästhesie, Onkologie, Psychiatrie, OP-Dienst.
  • Praxisanleitung, Stationsleitung, Pflegedienstleitung.
  • Studium – Pflegewissenschaft, Pflegemanagement, oder das primärqualifizierende Pflegestudium, das seit 2024 vergütet wird. Der Zugang steht auch ohne Abitur offen; wie das geht, steht in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.
  • Wechsel des Settings ohne neue Ausbildung – vom Krankenhaus in die ambulante Pflege, in die Pädiatrie, in die Schule als Lehrkraft für Pflegeberufe.

Und ein Punkt, der in Familien selten vorkommt: Der Abschluss ist EU-weit anerkannt. Ein Beruf, mit dem man in Wien, Kopenhagen oder Lissabon arbeiten kann, ist eine Freiheit, die kaum eine andere Ausbildung bietet.

Andere medizinische Wege ohne Studium vergleicht Medizinische Berufe ohne Studium. Ob Pflege überhaupt zu Ihrem Kind passt, klären Sie mit dem Orientierungstest und Welcher Beruf passt zu meinem Kind?. Ausbildungsbetriebe und Kliniken aus Ihrer Region finden Sie unter Unternehmen entdecken.

Häufig gestellte Fragen: Pflegeausbildung 2027: Lohnt sie sich für mein Kind? Die Fakten für Eltern

Wie erkenne ich, ob die Pflege-Ausbildung zu meinem Kind passt?

Am zuverlässigsten durch ein Praktikum auf einer Station – zwei Wochen zeigen mehr als jedes Gespräch. Für Jugendliche unter 18 gilt dabei das Jugendarbeitsschutzgesetz: Nachtarbeit ist verboten, im Schichtdienst gelten eigene Grenzen (§§ 14, 15 JArbSchG). Das Praktikum zeigt also nicht den vollen Stationsalltag.

Achten Sie im Alltag auf drei Anzeichen:

  • Geht Ihr Kind auf fremde Menschen zu, auch auf alte oder kranke?
  • Hält es Belastung aus, ohne sich alles zu Herzen zu nehmen?
  • Ist es zuverlässig bei Dingen, auf die sich andere verlassen?

Wer Blut oder Körperpflege nicht erträgt, merkt das im Praktikum sofort – und das ist ein gutes Ergebnis, kein Scheitern. Fragen Sie danach konkret: Welche Aufgabe hat gutgetan, welche hat belastet, und wie war das Gefühl am Ende der Schicht? Wie man einen Platz findet, steht in Schülerpraktikum finden.

Mehr zur Frage: Wie erkenne ich, ob die Pflege-Ausbildung zu meinem Kind passt?

Wie unterscheiden sich Pflegefachausbildung und Pflegefachassistenz ab 2027?

Die Pflegefachausbildung dauert drei Jahre und führt nach dem Pflegeberufegesetz zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit EU-weit anerkanntem Abschluss; die neue Pflegefachassistenz dauert ab dem 1. Januar 2027 bundeseinheitlich 18 Monate, in Teilzeit bis zu 36.

Grundlage der Assistenz ist das Pflegefachassistenzgesetz, das der Bundestag im Oktober 2025 beschlossen hat. Es löst 27 unterschiedliche Landesregelungen ab – die Ausbildung gilt damit erstmals überall gleich.

Auch der Zugang unterscheidet sich:

  • Pflegefachassistenz: grundsätzlich Hauptschulabschluss; ohne Abschluss ist eine Zulassung bei positiver Prognose der Pflegeschule möglich.
  • Pflegefachausbildung: mittlerer Abschluss oder ein Hauptschulabschluss plus abgeschlossene Ausbildung.
  • Übergang: Die Assistenzzeit kann auf die dreijährige Ausbildung angerechnet werden – ein Einstieg mit offener Tür nach oben.

Was das für Ihr Kind finanziell bedeutet, steht in Medizinische Berufe ohne Studium.

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Was verdient mein Kind in der Pflegeausbildung?

Nach TVAöD Pflege seit 1. Mai 2026: 1.490,69 Euro im ersten, 1.552,07 Euro im zweiten und 1.653,38 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Zum Vergleich: Über alle Berufe und Ausbildungsjahre lag die tarifliche Vergütung laut BIBB 2024 im Schnitt bei 1.133 Euro.

Diese Werte gelten für Einrichtungen mit TVAöD; kirchliche Träger zahlen nach AVR in ähnlicher Höhe. Private Einrichtungen ohne Tarifbindung zahlen teils weniger – verlangt ist nach § 19 des Pflegeberufegesetzes eine angemessene Vergütung.

Fragen Sie deshalb vor der Vertragsunterschrift ausdrücklich nach der Tarifbindung – über drei Jahre macht das einen fünfstelligen Unterschied. Einen Vergleich mit anderen Berufen bietet Gut bezahlte Ausbildungsberufe.

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Ist die Pflege körperlich und psychisch zu belastend für mein Kind?

Sie ist belastend – und ob sie zu belastend ist, hängt weniger vom Beruf ab als von der Einrichtung. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 (13.227 befragte Auszubildende) nennt für alle Berufe 35,4 Prozent regelmäßige Überstunden und 50,6 Prozent psychische Belastungen; in der Pflege liegen diese Werte erfahrungsgemäß höher.

Entscheidend sind drei Fragen an die Einrichtung:

  • Gibt es feste Praxisanleiter mit Zeit?
  • Wie viele Auszubildende betreut eine Station?
  • Gibt es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung?

Laut demselben Report steigt die Zufriedenheit mit betrieblicher Interessenvertretung von 65,7 auf 75,7 Prozent – die dritte Frage ist also keine Formalie. Für Minderjährige gilt zusätzlich der Jugendarbeitsschutz: kein Nachtdienst, geregelte Pausen.

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Welche Aufstiegsmöglichkeiten hat mein Kind nach der Pflegeausbildung?

Fachweiterbildung, Leitung, Studium oder ein Wechsel des Arbeitsbereichs – und alle vier stehen ohne Abitur offen.

  • Fachweiterbildung unter anderem für Intensivpflege, Anästhesie, OP-Dienst, Onkologie und Psychiatrie.
  • Leitung: Über Praxisanleitung, Stations- und Pflegedienstleitung führt der Weg in die Führung.
  • Studium der Pflegewissenschaft oder des Pflegemanagements: Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 öffnen eine mindestens zweijährige Ausbildung plus drei Jahre Berufspraxis im passenden Bereich nach einer Eignungsprüfung oder einem erfolgreichen Probejahr ein fachgebundenes Studium. Das primärqualifizierende Pflegestudium wird seit 2024 vergütet.
  • Wechsel des Arbeitsbereichs: Der generalistische Abschluss erlaubt den Wechsel zwischen Krankenhaus, Langzeitpflege, ambulanter Pflege und Pädiatrie – ohne neue Ausbildung und EU-weit anerkannt.

Wie der Weg ins Studium im Einzelnen aussieht, steht in Studium ohne Abitur nach der Ausbildung.

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